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Frühlingsgefühle : Sex im Schildkrötenbecken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beim Gesundheitscheck im Deutschen Meeresmuseum in Stralsund werden Eier im Körper der Unechten Karettschildkröte entdeckt.

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 20:45 Uhr

Was ängstlichen Menschen den Blutdruck beim Zahnarztbesuch nach oben treibt, verursacht bei den Riesenschildkröten des Deutschen Meeresmuseums die Visite bei Tierarzt Dieter Göbel. Vier Männer hieven gestern eine mehr als 100 Kilogramm schwere Unechte Karettschildkröte aus dem Schildkrötenbecken auf den Untersuchungstisch.

Doch dem Urzeit-Reptil versagen zunächst die Nerven – und dann der Schließmuskel. Ein strenger Geruch breitet sich im Untersuchungszimmer aus. Göbel bleibt ungerührt. „Das ist wie vor dem Prüfungszimmer“, kommentiert er die Reaktion der Schildkröte trocken.

Einmal im Jahr unterzieht der Rostocker Reptilienexperte die fünf Publikumslieblinge des Museums einem Gesundheitscheck. „Die Tiere sind unsere Schutzbefohlenen“, sagt Göbel. Mit festem Griff tastet er die Weichteile der 50-jährigen Schildkrötendame ab, untersucht Kehlkopf, Schilddrüse sowie Schlund auf Veränderungen und nimmt Tupferproben für bakteriologische Untersuchungen. Dann inspiziert der Arzt den Panzer der Schildkröte. Mit aller Kraft wehrt sich das Tier gegen die Haltegriffe der Helfer. Erst ein Tuch über den Augen lässt das Reptil ruhig werden.

Der Ultraschall bringt dann die Überraschung: Auf dem Monitor des Gerätes zeichnen sich 30 bis 40 tennisballgroße Kugeln ab. „Ein Teil der Eier ist legereif, ein Teil wird bereits vom Körper resorbiert“, diagnostiziert Göbel. Die Eier könnten befruchtet sein. Die Tierpfleger hatten in der Vergangenheit immer wieder Paarungsversuche mit „Morla“, dem Unechten Karettschildkrötenmann, beobachtet.

Bislang sind nach Angaben des Museums weltweit noch keine jungen Meeresschildkröten geschlüpft, deren Eier in Gefangenschaft befruchtet und auch gelegt wurden. Ein solches Ereignis im Meeresmuseum wäre eine Sensation, da Schildkrötenweibchen eigentlich dort ihre Eier ablegen, wo sie einst geboren wurden. Dennoch reagiert Tierpflegerin Sigrid Wewezer verhalten auf den freudigen Befund. „Wir wollen hier keine Schildkrötenzucht“, sagt die Chef-Pflegerin. „Damit kann der Bestand der in der Natur bedrohten Reptilien nicht gerettet werden.“ Um Infektionen zu verhindern, bekommt die Schildkrötendame Medikamente, damit die Eier wieder vom Körper aufgenommen werden.

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