Seuchengefahr im Hühnerstall

V<strong>orsorge:</strong> Beim Seuchenzug 2006 wurden ganze Landstriche  abgesperrt.  In den vergangenen Jahren blieben die Geflügelbestände von der Vogelgrippe verschont. Nun lässt der Fund eines besonders gefährlichen Virus in  Dänemark die Seuchengefahr  wieder steigen. <foto>dpa</foto>
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Vorsorge: Beim Seuchenzug 2006 wurden ganze Landstriche abgesperrt. In den vergangenen Jahren blieben die Geflügelbestände von der Vogelgrippe verschont. Nun lässt der Fund eines besonders gefährlichen Virus in Dänemark die Seuchengefahr wieder steigen. dpa

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23. Januar 2013, 08:26 Uhr

Schwerin/Riems | Seuchenwarnung auf dem Geflügelhof: Sieben Jahre nach dem verheerenden Zug der Vogelgrippe nähert sich das tödliche Virus wieder den Geflügelbeständen in Mecklenburg-Vorpommern. Nach dem jetzt in Dänemark bei wilden Stockenten aufgetauchten hochpathogen Geflügelpestvirus vom Subtyp H7 läuten bei den Geflügelhaltern in MV die Alarmglocken. Es bestehe "eine erhöhte Gefahr, dass das Virus auch nach Deutschland gelangen kann", meinte die Sprecherin des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems, Elke Reinking, gestern gegenüber unserer Redaktion. "Es gibt den Erreger nach wie vor." Der Virus vom Subtyp H7 gehöre mit dem Subtyp H5 zu den hochansteckenden Influenzaviren, die Geflügelgrippe hervorrufen können. Noch könne aber nicht gesagt werden, wie hoch die Gefahr sei, dass das Virus auch Deutschland erreiche. Zunächst müssten weitere Untersuchungen aus Dänemark abgewartet und Informationen der internationalen Tiergesundheitsorganisiation ausgewertet werden. Das Land schätzt die Gefahr derzeit als gering ein, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern in Schwerin mit. Zwar zeige der Nachweis des hochpathogenen Geflügelinfluenzavirus bei erlegten Stockenten in Dänemark, dass es kein Nullrisiko gebe, sagte eine Sprecherin. Bei der derzeitigen großräumigen Frostlage mit mäßiger Schneebedeckung sei aber nicht mit großräumigen Verschiebungen innerhalb der Wildvogelpopulation zu rechnen. Allerdings: Würden bei einer sich verschlechternden Wetterlage die Gewässer großflächig zufrieren und die Tiere ihre Nahrungsgrundlage verlieren, sei davon auszugehen, dass Wildvögel aus dem Nachweisgebiet in Dänemark bevorzugt in mildere Gebiete der Nordseeregion ziehen würden.

Die Angst bleibt: Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hat die Geflügelhalter bereits zur Vorsicht gemahnt und verlangt, alle Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten und keine Lücken im Seuchenschutz zuzulassen. "Sich stets in Sicherheit zu wiegen, wäre trügerisch", meinte Backhaus. In MV werden etwa zwei Millionen Legehennen, sechs Millionen Masthähnchen, 568 000 Puten, etwa 46 000 Enten und fast 8000 Gänse gehalten.

Die Bauern wappnen sich vor dem Einzug der Tierseuche. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass jederzeit auch in MV ein Fall auftreten könne, sagte Silvia Ey, Chefin des Geflügelwirtschaftsverbandes MV. Doch die Geflügelhalter hätten Vorsorge getroffen und für den Seuchenfall ein entsprechendes Konzept entwickelt. Die Unternehmen achteten auf höchste Seuchenhygiene. Indes setzen die Kontrollbehörden die Untersuchungen bei Hausgeflügel und bei Wildvögeln fort, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. 2012 war bei den 1056 Untersuchungen von Geflügel, darunter 493 bei Wildvögeln und 87 bei Zoovögeln, kein hochpathogenes Geflügelpestvirus nachgewiesen worden.

Nach der Meldung aus Dänemark kommen indes bei Bauer Holger Kliewe aus Mursewiek auf Rügen die Bilder vom großen Seuchenzug von vor sieben Jahren wieder zurück. 2000 Hühner, Enten und Gänse hatte er damals verloren, nachdem nur wenige Kilometer von seinem Hof an der Wittower Fähre die ersten Vogelgrippefälle Deutschlands festgestellt worden waren. Nach dem Fund einer Ente mit dem hochansteckenden Virus in Dänemark habe er zwar noch keinen unmittelbaren Grund zur Sorge, meinte Kliewe gestern. Auch sei im Winter kaum ein Vogelzug zu beobachten. Nur: "In unserer globalisierten Welt ist Dänemark nicht weit weg", sagte Kliewe. Vorsicht sei angebracht.

Beim letzten Seuchenzug 2006 hatten die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern monatelange Stallpflicht für Geflügel angeordnet und zehntausende Tiere keulen lassen. Das gefährliche Virus hatte sich bundesweit und in weiteren europäischen Ländern verbreitet. Erst vor etwa zwei Jahren waren bei Routinekontrollen in einem Enten- und Gänsebestand im Landkreis Parchim Grippeviren vom Typ H5N2 entdeckt worden - 17 000 Tiere wurden vorsorglich gekeult.

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