Seuche rafft Kaninchen dahin

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19. September 2012, 08:34 Uhr

Schwerin/Hamburg | Der Erreger ist hoch ansteckend und meist tödlich: Ein Pockenvirus grassiert derzeit in Hamburg und dezimiert dort die Wildkaninchenbestände. Bereits über 188 infizierte Tiere mit vereiterten Augenlidern, angeschwollenen Ohren und Nasen hat der Tierschutzverein in der Hansestadt aufgenommen. Viel ausrichten können die Tierschützer allerdings nicht, wenn die Myxomatose genannte Krankheit erst einmal ausgebrochen ist. Ein Experte befürchtet bereits einen großen Seuchenzug.

Die Ausbreitung des tödlichen Kaninchen-Virus in Mecklenburg-Vorpommern würde laut Rainer Pirzkall vom Landesjagdverband für die hiesigen Bestände "fatale Folgen" haben. "Wildkaninchen sind sehr selten geworden", weiß Pirzkall. Mehr als drei Viertel der Tiere sind bereits vor rund 10 Jahren von der Myxomatose und der Chinaseuche dahingerafft worden. Eine neuerliche Krankheitswelle in großem Ausmaß könnte die Kolonien weiter dezimieren. "Wir wollen hoffen, dass sie nicht hinüberschwappt" sagt Pirzkall mit Blick auf die Ereignisse in Hamburg. Das Wildkaninchen gehöre immerhin zu den heimischen Tierarten.

Das Virus breitet sich seit Jahrzehnten von Frankreich her, wo er zur Kaninchenbekämpfung eingesetzt wurde, in Europa aus. Übertragen wird er von Stechmücken und Flöhen. Bei infizierten Tieren schwellen die Köpfe und Genitalien an. Sie erblinden und können vor Schwäche nicht mehr fliehen. Treten die Symptome auf, "ist es meist zu spät", weiß Jagdfachmann Pirzkall. Das Virus führt bei 80 bis 90 Prozent der erkrankten Kaninchen zum Tod.

Bei den Züchtern von Rassekaninchen gehört die Myxomatose neben der Chinaseuche zu den gefürchtesten Krankheiten im Stall. "Sie tritt immer wieder mal auf", sagt Peter Kalugin, Verbandschef der Rassekaninchenzüchter im Land. Die letzte größere Welle habe die Züchter vor zwei Jahren getroffen. Grassiert der Virus in den Buchten, können die Verluste mitunter verheerend sein. Bei 50 verlorenen Zuchttieren kann sich der Schaden laut Kalugin auf rund 5000 Euro summieren. "Jahrelange erfolgreiche Arbeit ist mit einem Schlag dahin", erklärt er. Mit Fliegengittern und akustischen Insektenfallen würden die Züchter ihre Blauen Wiener, Rote Neuseeländer, Schecken oder Angorakaninchen in den Ställen vor den Stechmücken schützen. Wirksam bewahrt können die Tiere vor der Viruskrankheit aber nur mit einer Impfung. Doch längst nicht alle der 1450 Züchter im Land lassen ihre Kaninchen impfen. "Das ist auch immer eine Kostenfrage", sagt Kalugin. Hinweise auf eine flächendeckende Ausbreitung des Virus in der Region gebe es bislang nicht. Es könne aber sein, dass die Zeit wieder heran sei, sagt der Verbandschef.

Menschen sind durch die Kaninchenseuche laut Gesundheitsexperten nicht gefährdet. Auch andere Tiere können daran nicht erkranken. Von einer umfangreichen Ausbreitung der Krankheit in Mecklenburg-Vorpommern ist den Behörden bislang nichts bekannt.

Der Erreger kann aber auch noch im Oktober oder November zuschlagen, glaubt der Ducherower Züchter Ronny Lotz. Immerhin seien die Mücken dann noch aktiv. "Toi, Toi, Toi, bis jetzt habe ich aber noch nichts gehört", sagt Lotz. Seine preisgekrönten Blauen und Grauen Wiener hat er dennoch impfen lassen. Weil die Kaninchen "viel zu wertvoll" sind.

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