Prozess in Rostock : Serien-Sexualtäter muss ins Gefängnis

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Enrico S. hat in Bewährungszeit die Verlobte seines Bruders vergewaltigt

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03. Juli 2014, 20:00 Uhr

Schuldig! Enrico S. hat die 36-jährige Verlobte seines Bruders vergewaltigt, so das Urteil des Landgerichts Rostock. Nun muss der 25-Jährige für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, anschließend wird er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Enrico S., der weder Lesen noch Schreiben gelernt hat, stand nicht zum ersten Mal vor Gericht. Erst im Oktober 2013 verurteilte ihn das Landgericht Rostock wegen schweren sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen und Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Und bereits 2004 stand er wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Der psychiatrische Sachverständige räumte gestern in seinem Gutachten frühere Fehler in der Beurteilung des Angeklagten ein. Und mit Blick auf das Gericht sagte er: „Der Angeklagte ist bisher immer mit allem durchgekommen.“ Er attestierte dem 25-Jährigen eine erheblich verminderte Steuerungs- und Handlungsfähigkeit und warnte vor einem hohen Rückfallrisiko.

An der Verlobten seines Bruders André (38) hatte er sich im Januar 2014 vergangen. Außerdem drückte er eine brennende Zigarette auf ihrem rechten Handrücken aus, um sie davon abzuhalten, zur Polizei zu gehen. Der Angeklagte bestritt anfangs jeglichen sexuellen Kontakt zu der 36-Jährigen. Erst, als er aufgrund der Ergebnisse der Spurensicherung nichts mehr leugnen konnte, änderte er sein Aussageverhalten und räumte den Geschlechtsverkehr ein, behauptete aber, dass alles in gegenseitigem Einvernehmen geschehen sei. Die Verlobte seines Bruders habe sich in ihn verliebt gehabt.

Weder die Zeugenaussage des Opfers, noch die ihrer Betreuerinnen bestätigten diese Sichtweise des Angeklagten. „Die Schilderungen der Geschädigten waren real“, sagte der Vorsitzende Richter. Das Gericht hätte bei der 36-Jährigen kein Motiv gesehen, Enrico S. zu belasten. Wichtig für die Urteilsbegründung war ein Brief des Angeklagten an sein Opfer und seinen Bruder, in dem er beide auffordert, zu seinen Gunsten auszusagen. „Der Angeklagte hat ein schweres Verbrechen begangen“, so der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. „Weitere schwere Taten sind zu erwarten.“

Enrico S. habe nicht einmal drei Monate nach dem Urteil vom Oktober 2013 ein neues Verbrechen in einer laufenden Bewährungszeit begangen. Als besonders schwer beurteilte das Gericht die Tatsache, dass sich der Angeklagte bei allen Taten schwache und schutzlose Opfer auswählte. Zu der gestern ausgesprochenen Strafe muss er mit dem Widerruf der Bewährungsstrafe rechnen.

 

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