Gerichtsbericht : Seniorinnen ausgeraubt

Seine kriminelle Karriere ist lang, er klaute, fälschte und betrog – jetzt sitzt Felix M. wieder vor Gericht

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17. September 2015, 21:00 Uhr

Mit einer dreisten Masche hat ein 25-Jähriger im Juni in Schwerin sechs ältere Frauen beraubt, die vorher hohe Beträge an einem Geldautomaten abgehoben hatten. Das älteste Opfer war 94 Jahre alt. Vor dem Schweriner Landgericht wirft ihm die Staatsanwaltschaft seit gestern allerdings weit mehr als Raub und Diebstahl vor. Unter anderem fuhr er im Mai offenbar leichtsinnigerweise bei Friedrichsruhe über einen unbeschrankten Bahnübergang. Ein Triebwagen erfasste das Auto. Der siebenjährige Sohn seiner damaligen Freundin wurde bei dem Unfall schwer verletzt.

Lässig Kaugummi kauend hörte sich Felix M. die vom Staatsanwalt verlesene Liste seiner Straftaten an. Anfang Juni raubte er zwei Seniorinnen in Röbel und Rechlin aus. Danach ging er in Schwerin auf Beutezug. Am Platz der Freiheit, in der Weststadt und auf dem Dreesch beobachtete er ältere Frauen beim Geldabheben; mal waren es 500 Euro, dann wieder 1000 Euro. Felix M. folgte ihnen unbemerkt bis zu ihren Wohnungen und überredete sie, ihn hinein zu lassen. Angeblich musste er aufs Klo oder er behauptete, er müsse dringend telefonieren. Einer 82-Jährigen bot er Hilfsbereitschaft vortäuschend an, ihre Einkäufe nach oben zu tragen. Sobald er sich unbeobachtet fühlte, stahl er das bei der Bank abgehobene Geld und verschwand. Zwei Opfern fiel der Diebstahl auf. Als sie sich wehrten, stieß er sie brutal zu Boden.

Am 17. Juni schlug er gleich zweimal zu. Nach einem Raubzug am Vormittag verwickelte er am Nachmittag in einem Café eine Seniorin in ein Gespräch und überredete sie, ihm ihre Wohnung in einer betreuten Anlage zu zeigen. Dort leerte er zwei Geldbörsen.

Eine Kellnerin des Cafés erkannte Felix M. in der Bilddatei der Polizei. Denn seine kriminelle Karriere ist lang. Vier Jahre hat er bereits hinter Gittern verbracht. Er klaute, fälschte Urkunden, betrog, beging Körperverletzung und fuhr ohne Führerschein Auto. 2009 kam er für zwei Jahre ins Gefängnis.


Ex-Freundin: „Nur noch Verachtung“


Nach seiner Entlassung wollte er eine Lehre als Schweinezüchter beenden. Er scheiterte und „baute wieder Scheiß“, wie er einräumte. 2012 folgte die nächste zweijährige Gefängnisstrafe. Danach arbeitet er bei einem Rinderzüchter in Zölkow, wo er seine Freundin kennenlernte. Über seinen wahren Lebenslauf ließ er die 29-jährige alleinerziehende Mutter im Unklaren. Im April betrog er laut Anklage die Großmutter der Freundin um 1000 Euro. Im Mai baute er mit dem Wagen seiner Freundin den folgenschweren Unfall am Bahnübergang.

Fünf Tage später verschwand er mit dem Auto seiner „Schwiegermutter“ und der Geldkarte seiner Freundin. Vor Gericht berichtete diese, am 18. September 2014 seien sie ein Paar geworden. Gestern, genau ein Jahr später, hatte sie „nur noch Verachtung“ für ihn übrig.

Das Gericht hat signalisiert, Felix M. könnte mit fünfeinhalb Jahren Haft davonkommen, wenn er gesteht und so den Raub-Opfern eine Zeugenaussage vor Gericht erspart. Dazu hat sich Felix M. noch nicht durchringen können.

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