zur Navigation springen

Medienbildung für Ältere : Senioren, ran an die Smartphones

vom
Aus der Onlineredaktion

Medienanstalt MV und die Universität Greifswald realisieren erneut Medienkompass mit dem Schwerpunkt auf Medienbildung für Ältere

von
erstellt am 22.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Für viele Senioren ist das Internet inzwischen unverzichtbar – auch wenn einige von ihnen öfter einen Schallplattenspieler als ein Smartphone benutzen. Denn laut aktueller ARD und ZDF Onlinestudie sind zwar nahezu alle 14- bis 49-Jährigen und 82 Prozent der 50- bis 69-Jährigen im Internet aktiv. Bei den über 70-Jährigen herrscht allerdings nach wie vor Nachholbedarf. Von ihnen ist weniger als die Hälfte online. Die Gründe dafür sind vielfältig, reichen von Angst vor fremder Technik bis zu Immobilität oder fehlendem Breitband-Anschluss.

Die Medienanstalt MV unter der Leitung von Bert Lingnau und die Universität Greifswald mit Professor Roland Rosenstock und Anja Schweiger haben es sich seit 2000 zur Aufgabe gemacht, die Medienbildung im Land zu verbessern. „Denn diese ist eine zentrale Schlüsselqualifikation für ein aktives Leben in unserer Gesellschaft“, so Lingnau. War das Projekt zunächst auf Medienbildung für Kinder und Jugendliche fokussiert, schließen sich im nun erschienenen zweiten Band die Menschen mittleren und gehobenen Alters als Zielgruppe an. Das Buch bietet dabei neben einer wissenschaftlichen Einführung knapp 30 konkrete Schulungsangebote, die so konzipiert sind, dass sie von Senior-Trainern, Lehrkräften und Interessierten in Volkshochschulen, Mehrgenerationenhäusern, Bibliotheken oder Senioreneinrichtungen genutzt und umgesetzt werden können.

Lingnaus Ziele sind ambitioniert. Er möchte nicht nur die Vorurteile gegenüber der Technik abbauen, sondern auch direkte Lebenshilfe leisten. „So mancher Senior sehnt sich beispielsweise auch im Alter noch einmal nach einer Partnerschaft, geht aber nicht mehr in Diskotheken zum Tanzen oder wohnt fernab von allen anderen“, ergänzte Professor Rosenstock. Heutzutage stünden den Senioren dafür Online-Datingportale zur Verfügung – die Ü60-Jährigen bilden schon jetzt die am stärksten wachsende Gruppe innerhalb dieser Plattformen.

Aber auch ganz alltägliche Bedürfnisse, wie den Kontakt zu Kindern und Enkeln zu halten, können durch eine stärkere Medienbildung erreicht werden. Dabei sei es unvermeidlich, auch auf die Gefahren der neuen Medien hinzuweisen, sagte Anja Schweiger. Darum befassen sich die Schulungsangebote auch mit Themen wie Datenschutz, In-App-Käufen und Verbraucherschutz. Die Kurse sollen den Senioren Sicherheit im Umgang mit neuen Medien vermitteln. Ist diese gegeben, so zeigen Studien, möchten die älteren Menschen das Internet und Smartphones jedoch nicht mehr missen.

Fast 46 Prozent der Nutzer können sich ein Leben ohne das Internet nicht mehr vorstellen. 52 Prozent sind überzeugt, dass sich ihre Lebensqualität durch das Internet erhöht hat. 60 Prozent sagen, es helfe ihnen, gedanklich fit zu bleiben und 81 Prozent der Nutzer sind überzeugt, dass sie ihr Wissen online erweitern konnten. Vorrangig nutzen solche netzaktiven Senioren ihren Anschluss an das World Wide Web, um sich über aktuelle Geschehen auf dem Laufenden zu halten (79 Prozent) oder um Auskünfte zum Thema Gesundheit zu bekommen (68 Prozent). Nicht umsonst gäbe es inzwischen über 100 000 Gesundheits-Apps auf dem Markt, so Lingnau.

Neben reinen Informationsangeboten ist der älteren Generation aber auch Kommunikation wichtig: 91 Prozent schreiben E-Mails, 28 Prozent telefonieren online und 15 Prozent sind sogar in sozialen Netzwerken aktiv. Mehr als jeder Zweite kauft auch online ein. Im Vergleich zur jüngeren Generation gibt es jedoch noch Verbesserungsbedarf, um langfristige Lebensqualität zu sichern.

„Mit dem vorliegenden Buch geht die Entwicklung des Medienkompasses nun weiter“, erklärte Lingnau zum Abschluss. Dieser geht auf die „Vereinbarung zur Förderung der Medienkompetenz“ zurück, die im März 2011 zwischen der Medienanstalt, der Staatskanzlei sowie dem Bildungs- und dem Sozialministerium des Landes geschlossen wurde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen