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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 10:18 Uhr

Unfälle : Senioren häufiger Opfer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jeder dritte Verkehrstote älter als 65 Jahre / Fahrtauglichkeitsprüfung ab 70?

von
erstellt am 20.Mai.2014 | 07:25 Uhr

Nach den schlimmen Verkehrsunfällen am Wochenende diskutiert Mecklenburg-Vorpommern wieder über einen obligatorischen Gesundheitscheck für ältere Autofahrer. „Ich bin dagegen, Senioren zu verpflichten, ihre Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen“, sagte gestern Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Jeder Autofahrer müsse so viel Eigenverantwortung haben, dass er seine Fahrtüchtigkeit selbst ehrlich einschätzen kann.

Tragisch endete ein Unfall am Sonntag auf der B 5 zwischen Vier und Horst (Ludwigslust-Parchim), als der 74-jährige Fahrer eines Opel von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum prallte. Er und seine 94-jährige Beifahrerin starben am Unfallort. In Stralsund fuhr ein 68-Jähriger am Sonnabend gegen einen Baum, weil er ohnmächtig geworden war. Er verletzte sich schwer.

„Seit dem letzten Jahr richtete die Landespolizei auch einen Focus auf die über 65-Jährigen“, sagte Marion Schlender, Sprecherin des Schweriner Innenministeriums. Ergebnis einer Untersuchung: Senioren sind laut Ministerium eher Opfer als Verursacher von Unfällen. Fast jeder dritte der insgesamt 84 Verkehrstoten des vergangenen Jahres war älter als 65 Jahre, obwohl der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung derzeit 22,2 Prozent beträgt. Als Unfallverursacher waren Senioren in der Statistik dagegen unterrepräsentiert.

Grundsätzlich steigt das Risiko für einen Unfall erst ab dem 75. Lebensjahr deutlich an, das belegen Studien des Statistischen Bundesamts. Bei einem Fahrer Ende 70 ist das allgemeine Unfallrisiko doppelt so hoch wie bei erfahrenen Fahrern zwischen 40 und 60 Jahren.

Doch ein genereller Senioren-TÜV wie in den Niederlanden, Spanien oder Italien wird in Mecklenburg-Vorpommern abgelehnt. „Die Linksfraktion wendet sich gegen jede Form von Altersdiskriminierung“, sagte Mignon Schwenke für die Linke im Landtag. Auch Jochen Schulte von der SPD-Fraktion ist dagegen. „Allerdings könnte ein regelmäßiger, in normale Untersuchungen integrierter Test beim Hausarzt Anhaltspunkte zur Fahrtauglichkeit liefern und Orientierung schaffen“, meinte er.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) verwies auf das Projekt des Landesfahrlehrerverbandes „Senioren in Fahrt“, das von seinem Ministerium 2014 mit 8000 Euro unterstützt wird. Seit 2009 gibt es dieses Angebot. „Fahrlehrer zeigen, wie sich ältere Autofahrer auf bestimmte Verkehrssituationen einstellen können, außerdem geht es um aktuelle Rechtsänderungen“, erklärte Verbandvorsitzender Helmut Bode. Etwa 1000 Senioren hätten 2013 landesweit dieses Angebot genutzt.

 

 

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