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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 16:55 Uhr

Senioren fürchten um ihre Villa

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erstellt am 16.Apr.2012 | 09:56 Uhr

Warnemünde | Ein Haus sorgt in Warnemünde für Aufregung. Es ist die Nummer 11 in der Warnemünder Schillerstraße. Eine Villa, in der 13 alters- und behindertengerechte Wohnungen von der Rostocker Heimstiftung mit hohem Standard und bestem Komfort angeboten werden. Die betagten Frauen und Männer in den sechs noch belegten Wohnungen befürchten, dass sie ausziehen müssen. Einigen von ihnen wurde das schon vorgeschlagen, weil das Haus verkauft worden sei, berichteten sie.

Ehemalige Eignerin soll über soziale Nutzung verfügt haben

Als das Angebot bekannt wurde, meldete sich unter vielen anderen auch Hannelore Nehrenberg zu Wort. Sie mühte sich nicht nur von Amts wegen jahrelang mit großer Sachkenntnis um das Wohl sozial Benachteiligter in Warnemünde. Sie ist sicher, dass die ehemalige Eigentümerin im Jahr 1971, als sie das Haus der Stadt Rostock schenkte, verfügte, dass hier stets Senioren wohnen sollen. Auch Helga Paetow, die bis zum Jahr 1992 insgesamt 23 Jahre in der Außenstelle des Sozialamtes im Ostseebad gearbeitet hat, verbarg ihre Aufregung nicht: "Die ehemalige Besitzerin hat damals Sozialhilfe bekommen. Als sie der Stadt die Villa vermachte, wollte sie, dass das Haus für soziale Zwecke genutzt wird." Auch ein Jurist in Rente erinnert sich an den Erbschaftsstreit zu diesem Objekt: Die Erben hätten damals kein Recht bekommen, weil eine soziale Nutzung vorgesehen war.

Anne-Marie Reimann, die ehemalige Chefin der Rostocker Heimstiftung und mittlerweile selbst Rentnerin, weiß von vielen Begehrlichkeiten. Viele Interessenten wollten diese schöne Immobilie privat nutzen. Die Heimstiftung hatte sich aber durchgesetzt. Sie kaufte 2001 von der Stadt das Haus. Aus dem bestehenden Feierabendheim schuf die Heimstiftung mit hohem Aufwand eine exquisite Seniorenresidenz. Im November 2002 konnten die ersten Mieter einziehen. In der öffentlichen Ausschreibung der Immobilie im Städtischen Anzeiger vom 28. März 2001 findet sich allerdings kein Wort für eine soziale Nutzungsverpflichtung.

Das Kataster-, Vermessungs- und Liegenschaftsamt teilt wörtlich mit: "Das Grundstück Schillerstraße 11 in Rostock-Warnemünde wurde dem Rat der Stadt Rostock im Jahr 1971 ohne Nutzungsbindung vererbt. Aufgrund des vorliegenden Erbscheins ist die Hansestadt Rostock im Jahr 1992 im Rahmen der Vermögenszuordnung Eigentümerin der Liegenschaft geworden. Das Grundstück wurde im November 2001 ohne Bau- und Nutzungsverpflichtung an die Rostocker Heimstiftung verkauft."

Käufer will Rentner nicht herausdrängen

Der Warnemünder Kaufinteressent, der erste Schritte eingeleitet hat, um dieses Haus zu übernehmen, sagt: "Für mich und meine Familie kommt es überhaupt nicht in Frage, die hier wohnenden Mieter rausdrängen zu wollen. Im Gegenteil - ich würde mich über ein gutes Miteinander von Jung und Alt sehr freuen."


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