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Senioren am Steuer ein Risiko? Auffrischkurse kaum genutzt

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erstellt am 14.Apr.2013 | 05:27 Uhr

Schwerin/Rostock | Im alternden Mecklenburg-Vorpommern werden Senioren überdurchschnittlich häufig Opfer von Verkehrsunfällen. Zugleich würden Unfälle, in die ältere Menschen verwickelt seien, oft auch von Autofahrern jenseits der 65 oder 70 verursacht, schätzte Helmut Bode, Vorsitzender des Landesfahrlehrerverbandes, ein. Er kritisierte die geringe Resonanz auf spezielle Auffrisch-Fahrkurse für Senioren. Bezahlt würde dieser Unterricht seit drei Jahren vom Land, betonte Bode.

Nach der jüngsten Unfallstatistik sind ältere Menschen über 65 Jahren bei einem Bevölkerungsanteil von 22 Prozent im Land mit 28 Prozent an den auf den Straßen getöteten Menschen überproportional vertreten. Von den insgesamt 83 Verkehrstoten 2012 im Land entfielen 23 - und damit die größte Altersgruppe - auf die Generation 65 plus. 2008 lag er noch bei 18, im Jahr 2011 bei 26 Prozent.

Karl-Heinz Völkner aus Kühlungsborn, Geschäftsführer des Seniorenverbandes, fühlt sich mit seinen 78 Jahren noch fit für den Straßenverkehr. Selbstverständlich steuere er selbst ein Auto, sagt er. Probleme habe er nur mit dem Sehen. Und die Beweglichkeit etwa für den Schulterblick zum Überbrücken des toten Winkels lasse nach, gab der Rentner zu. Gesetzlich verordnete Fahrtests für Senioren lehne er dennoch ab. Völkner: "Solche Prüfungen bilden die Realität im Verkehr nicht ab." Unbedingte Vorsicht und regelmäßige Gesundheitschecks rät Völkner den älteren Fahrzeugführern. Auffrisch-Stunden halte er für eine gute Sache.

Der Fahrlehrerverband monierte die geringe Teilnahme älterer Autofahrer an kostenlosen Auffrischkursen. Seit drei Jahren fördere das Land Theorie- und Fahrstunden für Senioren, das Programm sei aber kaum bekannt, kritisierte Verbandsvorsitzender Bode. Fast 30 Fahrschulen böten Auffrisch-Unterricht an. 2012 nahmen aber nur rund 300 Rentner daran teil. Finanziert würde die Nachhilfe für bis zu 1000 Senioren im Jahr. Im Fördertopf "Senioren in Fahrt" seien jährlich 5000 Euro, sagte eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums. "Im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern, in dem der öffentliche Personennahverkehr immer weiter abgebaut wird, ist das Auto gerade für Senioren mitunter unverzichtbar", erklärte Fahrlehrer Bode.

Eigentlich stellen ältere Autofahrer kein besonderes Sicherheitsrisiko dar, erklärte Psychologe Ralf Buchstaller vom Medizinisch-Psychologischen Institut beim TÜV Nord in Hamburg. Statistisch verursachten Senioren um die 60 weniger Unfälle als jüngere Fahrzeugführer zwischen 18 und 24 Jahren. Ab 75 bis 80 Jahren kippe die Statistik allerdings, betonte Buchstaller. Von diesem Alter an seien Senioren wieder häufiger in Unfälle verwickelt. Wegen der demografischen Entwicklung würde der Anteil greiser Kraftfahrer erheblich zunehmen. "Medizinische Untersuchungen für Autofahrer sollten ab 70 Jahren Standard werden", empfahl der Mediziner. Denn die wenigsten würden im Alter den Führerschein freiwillig abgeben.

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