Forschungszentrum in Rostock : Seltenen Krankheiten auf der Spur

Im Biomedizinischen Forschungszentrum in Rostock bereitet Juliane Bengsch eine Analyseplatte mit Proben für die Untersuchung in einem Massenspektrometer vor.
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Im Biomedizinischen Forschungszentrum in Rostock bereitet Juliane Bengsch eine Analyseplatte mit Proben für die Untersuchung in einem Massenspektrometer vor.

Die Rostocker Firma Centogene ist Vorreiter bei der Diagnose

svz.de von
23. August 2016, 12:00 Uhr

Es geht eng zu bei Centogene im Biomedizinischen Forschungszentrum in Rostock. Vor zehn Jahren hatte der Neurologe Arndt Rolfs mit vier Wissenschaftlern das Unternehmen als Ausgründung der Universitätsmedizin Rostock ins Leben gerufen, heute beschäftigt Centogene mehr als 300 internationale Mitarbeiter.

Unternehmensziel ist die Diagnostik von angeborenen seltenen Krankheiten, sagt Wissenschaftler und Unternehmer Rolfs. Eigenen Angaben zufolge ist Centogene einer der Weltmarktführer auf diesem Gebiet. Nun entsteht im Rostocker Stadthafen der neue Firmensitz, heute wird der Grundstein gelegt. „Das Unternehmen ist ein Beispiel für eine gelungene Ausgründung“, erklärt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). „Nachhaltige Ausgründungen schaffen hochwertige Arbeitsplätze.“

Rolfs, der seit mehr als 25 Jahren auf dem Gebiet der Neurogenetik forscht, spricht von einer faszinierenden Entwicklung, die bei der Therapie genetischer Erkrankungen erzielt wurde. „Aber bevor wir über Therapie sprechen können, müssen wir uns mit der richtigen Diagnostik beschäftigen“, betont er.

Von seltenen Krankheiten wird dann gesprochen, wenn weniger als fünf von 10 000 Menschen betroffen sind. Trotzdem sind sie für internationale Pharmafirmen und die Gesellschaften von Interesse, sagt Rolfs, der zeitgleich noch einen Lehrstuhl für experimentelle Neurowissenschaften in Rostock innehat. Denn weltweit leiden rund 180 Millionen Menschen an einer diesen Krankheiten.

Allein in Deutschland sind etwa vier Millionen Menschen von einer dieser Erkrankungen betroffen, berichtet die Selbsthilfeorganisation „Achse“, die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen. Diese Zahl mache den großen Forschungsbedarf auf diesem Gebiet deutlich. Viele Krankheiten bedeuten für den Patienten eine deutliche Verminderung der Lebensqualität und der Lebensdauer. Durch den Mangel an Forschung fehlten den „Waisenkindern der Medizin“ Medikamente und Therapien.

Ungefähr 6000 dieser Erkrankungen sind bekannt, die meisten davon sind im Bereich der Neurogenetik angesiedelt. Aktuell könnten etwa 60 davon erfolgreich behandelt werden, sagt Rolfs. Wichtig für die Diagnostik ist, dass es sich um Erkrankungen handelt, bei denen ein einziger Gendefekt für die Symptome verantwortlich ist. „Angesichts der rapiden Entwicklung wird es in fünf Jahren Therapien für 200 bis 300 weitere seltene Krankheiten geben“, ist sich Rolfs sicher. Typisch für die Behandlungserfolge sind beispielsweise die Stoffwechselkrankheit Morbus Fabry, die direkt mit dem Schlaganfall junger Menschen zusammenhängt. Oder auch Morbus Gaucher, Träger dieses Gendefekts haben ein großes Risiko, an der Nervenkrankheit Morbus Parkinson zu erkranken.

Centogene ist weltweit tätig. Die Zentrale ist Ro-stock, Zweigstellen sind in Toronto, Delhi, Dubai und Wien.

14 000 Ärzte, hauptsächlich aus dem Mittleren Osten, Lateinamerika, Kanada, Indien und Skandinavien, schicken ihre Proben zu Centogene. Dabei sei die Logistik kein Thema mehr, sagt Rolfs. Frühere Probleme mit der Versendung von Blutproben seien mit der Entwicklung der „CentoCard“ gelöst. Auf speziell behandelten Feldern wird das Blut der Patienten gegeben und dann einfach per Post an das Labor gesandt. Dort kann es dann getestet werden, auch komplexe Untersuchungen wie eine Gesamt-Genomsequenzierung sind möglich.

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