Ausländerfeindliche Attacken : Sellering warnt vor Fremdenhass

„Bürgerwehr Güstrow“ macht weiter Stimmung / Bierflaschen gegen Asylheim

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07. April 2015, 21:00 Uhr

Bei einer Informationsveranstaltung zur geplanten neuen Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes für Asylbewerber in Stern-Buchholz bei Schwerin hat Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gestern vor Fremdenhass gewarnt. Die Sorgen der Anwohner beispielsweise vor ausländerfeindlichen Kundgebungen vor dem Heim müssten ernst genommen werden. „Gemeinschaftlichkeit und gute Nachbarschaft mit den Flüchtlingen sind der beste Schutz, weil Rechtsextreme dann mit Hetze und Provokationen keine Chance zum Andocken haben“, sagte der Regierungschef. In der ehemaligen Kaserne Stern-Buchholz soll in den nächsten Wochen eine Zweigstelle mit 450 Plätzen entstehen. Die Erstaufnahme in Horst (Kreis Ludwigslust-Parchim) mit 600 Betten ist ausgelastet.

Unterdessen hat die selbsternannte „Bürgerwehr Güstrow“, die angeblich gegen kriminelle Asylbewerber vorgehen will, im Internet für die kommenden Tage weitere nächtliche Patrouillen durch die Barlachstadt angekündigt. Dagegen wächst Widerstand. „An der menschenverachtenden und fremdenfeindlichen Gesinnung der ‚Bürgerwehr‘ besteht kein Zweifel“, teilte gestern der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Norbert Nieszery, mit. Am Wochenende beteiligten sich an der ersten Streife der Bürgerwehr laut Polizei mehrere Rechtsextreme, wie beispielsweise der vorbestrafte Güstrower NPD-Stadtvertreter Nils Matischent. Er war 2014 wegen des Diebstahls von Waschmaschinen verurteilt worden.

Volle Bierflaschen flogen in der Nacht zu gestern gegen das Asylbewerberheim Haffburg in Wismar. Die vom Wachdienst alarmierte Polizei nahm wenig später vier junge Männer und eine Frau in einem Auto fest. Bei der Durchsuchung wurde ein Schlagstock sichergestellt. Gegen die 28 Jahre alte Fahrerin aus Wismar lag ein Haftbefehl wegen Betrugs vor.

Noch unaufgeklärt sind zwei vermutlich ausländerfeindliche Attacken vom Osterwochenende. „Wir haben noch keine heiße Spur in beiden Fällen“, sagte ein Polizeisprecher gestern. Im Rostocker Stadtteil Lütten Klein sollen am Karfreitag drei Männer einen 26-jährigen Asylbewerber aus Kamerun niedergeschlagen und rassistisch beleidigt haben. In Wismar seien am nächsten Tag in der Nähe der Asylbewerber-Unterkunft zwei Ägypter angegriffen worden.

Die Zahl der Flüchtlinge wird weiter zunehmen. Etwa 4100 Erstanträge auf Asyl waren im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern gestellt worden. Für dieses Jahr rechnet das Innenministerium noch einmal mit weiteren 6000 Asylanträgen.


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