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Einheiten aus MV beschützen Türkei vor Raketen aus Syrien : Sellering bei den "Patrioten"

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MV-Ministerpräsident Erwin Sellering ist dafür bekannt, dass er manchen Auslandseinsatz der Bundeswehr kritisch sieht. Doch den deutschen Soldaten im „Patriot“-Einsatz in der Türkei zollt er seinen Respekt.

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erstellt am 07.Jun.2013 | 07:26 Uhr

Kahramanmaras | Gnadenlos brennt die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel über der Südtürkei und heizt den provisorisch mit Zeltbahnen umspannten Gefechtsstand der Bundeswehr auf. Die Klimaanlagen der angeschlossenen Technikcontainer lindern die Hitze nur wenig. "Man hat uns 45, 50 Grad angekündigt. Das wird für die Soldaten schon eine Herausforderung, die Konzentration hoch zu halten", sagt Oberst Marcus Ellermann.

Ein Problem, das vor dem Einsatz der beiden deutschen "Patriot"-Raketenabwehrstaffeln zum Schutz türkischer Großstädte vor befürchteten Raketenangriffen aus dem Bürgerkriegsland Syrien vorhersehbar war. Anders als die Debatte um schimmlige Unterkünfte, eintönige Verpflegung, schlechte sanitäre Bedingungen und Reibereien mit türkischen Armeeangehörigen. Das waren die Themen, die zu Beginn des Nato-Einsatzes im Februar und März für Aufsehen und politische Misstöne zwischen der Türkei und Deutschland sorgten.

Etwa 300 in Kahramanmaras stationierte Bundeswehrsoldaten überwachen seit gut vier Monaten gemeinsam mit Einheiten aus den Niederlanden und den USA den syrischen Luftraum. Nato-Partner Türkei hatte nach Granat-Beschuss aus dem Nachbarland Syrien und aus Sorge vor weit schwerwiegenderen Raketenangriffen um Beistand ersucht. Deutschland verlegte daraufhin zwei "Patriot"-Staffeln von Bad Sülze und Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern in den Süden der Türkei.

Derzeit stammt ein Drittel der deutschen Soldaten aus dem Bundesland, die - wie Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gestern bei einem Besuch feststellte - "hochmotiviert" ihrer Aufgabe nachgehen. Sellering spricht lange mit den Soldaten, auch über die grundsätzliche Frage nach dem Sinn von Auslandseinsätzen. "Wenn man am Gefechtsstand hier auf dem Hügel steht und diese große Stadt mit ihren vielen Menschen unter sich sieht, denen man Schutz gewährt, dann ist ein solcher Einsatz im Rahmen der Nato vertretbar", meint Sellering und hebt den defensiven Charakter hervor. "Das ist etwas anderes, als sich in Afghanistan auf einen mehrjährigen Landkrieg einzulassen", erneuert er seine Kritik am Bundeswehreinsatz dort, dessen zügiges Ende er schon mehrfach gefordert hat.

Zumindest die Einschätzung zum Türkei-Einsatz wird auch von Soldaten und Offizieren geteilt. "Die Jungs wissen, warum sie hier sind und wofür sie den Einsatz der Waffensysteme zu Hause immer wieder geübt haben", sagt Kommandeur Ellermann. Er verschweigt aber auch die Probleme nicht, die anfangs mit dem Nato-Partner vor Ort auftraten und im Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus schließlich für Schlagzeilen sorgten.

Doch er hat auch Erklärungen. "Unsere Forderungen an die Infrastruktur, unsere Ansprüche und unser Umgang miteinander, das widersprach dem Verständnis der türkischen Truppenführung elementar. Der Kommandeur hier ist der zweitwichtigste Mann in Kahramanmaras, in seinem Reich ein König. Und dann kommen wir, machen uns in seiner Kaserne breit und stellen Ansprüche. Das musste zu Konflikten führen", erklärt Ellermann. Von der Bevölkerung seien die deutschen Soldaten aber von Anfang an sehr freundlich aufgenommen worden.

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