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Mann gesteht sexuellen Missbrauch : Selbstmitleid statt Mitleid

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Aus der Onlineredaktion

37-jähriger Mann aus Wismar gesteht Missbrauch von Tochter und Stiefsohn

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erstellt am 03.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Ein 37-jähriger Angeklagter hat sich vor dem Landgericht Schwerin bei seinen Kindern dafür entschuldigt, dass er sie sexuell missbraucht hat. Außerdem beteuerte der Mann aus Wismar gestern zum Auftakt seines Prozesses, sich „emotional“ verändert zu haben, seit er vor einem halben Jahr in Untersuchungshaft kam. Es wühle ihn auf, seine Tochter nicht mehr sehen zu können. Jedoch erst als der Vorsitzende Richter Armin Lessel vorsichtig nachfragte, ob er außer Selbstmitleid auch Mitleid für seine Tochter und seinen Stiefsohn empfinde, sagte er: „Ich glaube, die Kinder haben das noch nicht verarbeitet.“

Der Angeklagte hat gestanden, sich zwischen Herbst 2014 und Sommer 2016 in 23 Fällen an seinen Kindern vergangen zu haben. Das Mädchen war anfangs sechs und der Junge acht Jahre alt. Der Mann wurde übergriffig, wenn die Kinder ihn an den Wochenenden besuchten, wie es mit seiner Ehefrau vereinbart war. Das Paar lebt seit 2012 getrennt.

Dem Angeklagten droht eine Haftstrafe bis zu sechs Jahren. Das haben die Richter, die Staatsanwältin und die Verteidigerin für den Fall vereinbart, dass der 37-jährige ein Geständnis ablegt. Erspart ein Geständnis doch den Kindern, vor Gericht aussagen zu müssen. Selbst wenn dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschähe, wäre es eine enorme psychische Belastung für beide.

Obwohl viele Fakten geklärt erscheinen, lässt der Prozess nicht nur den Beobachter manchmal ratlos zurück. Auf einige Fragen gibt es keine Antwort. „Es muss ihnen doch klar gewesen sein, dass sie Ungeheuerliches tun“, hielt Lessel dem Angeklagten vor. Der antwortete: „Man hat nicht darüber nachgedacht.“ Es habe mit Kuscheln zwischen Kindern und Vater angefangen und sich „hochgeschaukelt“ zu dem, „was in der Anklage steht“.

Er hat es offenbar nicht getan, weil er ausschließlich auf Sex mit Kindern steht. Schließlich war er lange verheiratet. Der Angeklagte gab zu, in einigen Fällen von den Missbrauchs-Situationen Fotos gemacht zu haben. Einen Grund dafür konnte er nicht nennen. Die Ermittler haben aber keine Hinweise gefunden, dass er Kinderpornos gesammelt oder im Internet getauscht hat.

Die Ehefrau des Angeklagten hat inzwischen die Scheidung eingereicht. Sie ist immer noch verzweifelt über den Missbrauch durch ihren Ex-Mann – und wohl auch darüber, dass die Kinder sich nichts haben anmerken lassen und ihr nichts davon erzählten, was der Angeklagte an den Wochenenden mit ihnen tat.

Der Mann fiel erst auf, als er einem – ihm vermutlich sonst unbekannten – zwölfjährigen Mädchen in einem Internet-Chatroom obszöne Fotos von sich schickte. Die Mutter des Mädchens erstattete Anzeige. Bei einer Hausdurchsuchung beim Angeklagten wurden dann auch die verfänglichen Fotos mit seinen Kindern gefunden.

Die Mutter muss nun damit leben, dass die Kinder die Reichweite des Missbrauchs noch gar nicht einschätzen können. Möglicherweise fühlen sie sich sogar fälschlicherweise schuldig dafür, dass der eigentlich von ihnen geliebte Vater und Stiefvater in Haft sitzt.

Der Angeklagte hat angeboten, 25 000 Euro Schmerzensgeld für die beiden Kinder zu bezahlen, wenn er das Geld nach seiner Haftentlassung erarbeiten kann. Die Mutter hat das Angebot ausgeschlagen. „Mit Geld kann man das alles nicht wieder gutmachen“, sagte sie vor Gericht. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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