Falsche Lehrerin vor Gericht : Selbst das Abizeugnis war nicht echt

Eine 50-Jährige aus Wismar arbeitete mit gefälschten Papieren an Schulen in mehreren Bundesländern. Jetzt muss sie sich wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung verantworten.
Eine 50-Jährige aus Wismar arbeitete mit gefälschten Papieren an Schulen in mehreren Bundesländern. Jetzt muss sie sich wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung verantworten.

Eine Frau aus Wismar, die jahrzehntelang ohne Qualifikation als Lehrerin auch in MV gearbeitet hat, hat auch ihr Abiturzeugnis gefälscht.

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04. Juni 2015, 12:00 Uhr

Alles nur gefälscht: Eine heute 50 Jahre alte Frau, die jahrzehntelang als Lehrerin in mehreren Bundesländern arbeitete, hat auch ihr Abiturzeugnis gefälscht. Das gestand sie gestern vor dem Kieler Amtsgericht. Dort muss sich die 50-Jährige aus Wismar wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung verantworten.

Insgesamt nutzte sie zum Nachweis angeblicher Staatsexamina und anderer Zeugnisse über 20 amtlich wirkende Stempel, um eine Hochschul-Karriere einschließlich Promotion an der Universität Bonn vorzugaukeln. Demnach sind allenfalls drei ihrer vielen Zeugnisse echt, hieß es am zweiten Verhandlungstag: das Abschlusszeugnis der Polytechnischen Oberschule in Wismar, ihr Ausbildungszeugnis als Krankenschwester und ein Diplom als Lehrerin für Deutsch und Staatsbürgerkunde.

Nach der Wende schönte sie nach eigenen Angaben aus Angst vor Arbeitslosigkeit ihre Vita.  Für die Fälschungen ließ sie sich Stempel mit Insignien verschiedener westdeutscher Hochschulen und Prüfungsämter, der deutschen Botschaftsschule in Brüssel und einer Rechtsanwaltskanzlei aus Neuruppin anfertigen.

Wortkarg  räumte sie ein, dass es bereits an ihrer ersten Station als Lehrerin in Wolgast Verdachtsmomente gegen sie gegeben habe. Daraufhin wechselte sie nach Brandenburg. Als ihr auch dort offenbar der Boden zu heiß wurde, zog sie weiter nach Berlin. Dort ließ sie sich im Zusammenhang mit einem Disziplinarverfahren gegen sie aus dem Beamtenverhältnis auf Probe entlassen. Das hinderte sie aber nicht, mit falschen Papieren ab 2008 an einem Gymnasium in Mölln (Schleswig-Holstein) als Studienrätin und im mecklenburgischen Lübstorf tätig zu werden. Ein psychiatrischer Sachverständiger bescheinigte der Angeklagten volle Schuldfähigkeit. Er sehe keinerlei Anzeichen für psychische Erkrankungen, sagte der Facharzt.

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