Urteil Schwerin : Seine Raubopfer: Ältere Damen

Der Dieb beobachtete, wie die älteren Damen Geld abhoben und verfolgte sie dann bis nach Hause.
Der Dieb beobachtete, wie die älteren Damen Geld abhoben und verfolgte sie dann bis nach Hause.

25-Jähriger schlug immer wieder zu und muss für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Richter: „Besonders perfide“

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30. September 2015, 21:00 Uhr

Weil er mit einer dreisten Masche unter anderem sechs zum Teil hochbetagte Schwerinerinnen ausgeraubt und bestohlen hat, muss ein 25-jähriger Tierpfleger aus einem Dorf bei Crivitz für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Seine Taten seien „besonders perfide“, da er seine Opfer ausspionierte und sich dann ihr Vertrauen erschlich, so der Vorsitzende Richter Norbert Grunke gestern am Landgericht Schwerin.

Mit einem Geständnis in letzter Minute hatte Felix M. den beraubten Frauen, die älteste war 94 Jahre alt, gerade noch die Strapazen erspart, vor Gericht als Zeuginnen aussagen zu müssen. Seine späte Einsicht war der Grund, warum die Richter von einer höheren Strafe absahen. Sie hätte sonst auch zwei Jahre höher ausfallen können.

Dennoch klappte dem Angeklagten sichtbar „die Kinnlade runter“, als er das Strafmaß erfuhr. Am ersten Prozesstag hatte er noch Kaugummi kauend zugehört, als der Staatsanwalt die lange Anklageschrift verlas. Von dieser Lässigkeit war nach dem Urteil nichts mehr übrig.

Anfang Juni raubte Felix M. zwei Seniorinnen in Röbel und Rechlin aus. Danach ging er in Schwerin auf Beutezug. Er beobachtete ältere Frauen beim Geldabheben; Mal waren es 500 Euro, dann wieder 1000 Euro.

Felix M. folgte ihnen unbemerkt bis zu ihren Wohnungen und überredete sie, ihn hineinzulassen. Angeblich musste er aufs Klo oder er behauptete, er müsse dringend telefonieren. Einer 82-Jährigen bot er, Hilfsbereitschaft vortäuschend, an, ihre Einkäufe nach oben zu tragen. Sobald er sich unbeobachtet fühlte, stahl er das bei der Bank abgehobene Geld und verschwand. Zwei Opfern fiel der Diebstahl auf. Als sie sich wehrten, stieß er sie brutal zu Boden.

„Wenn man ihn sieht, glaubt man gar nicht, für was er sich als fähig erwiesen hat“, so Richter Grunke über den Straftäter. Ohne Hemmschwelle und Rücksicht auf die Befindlichkeiten seiner Mitmenschen habe Felix M. mit auffälliger Kreativität seine kriminellen Ziele verfolgt. Seine „rechtsfeindliche Gesinnung“ habe sich offenbar verfestigt.

Denn Felix M. saß bereits vier Jahre im Gefängnis. Die Liste seiner Delikte ist lang. Er klaute, fälschte Urkunden, betrog, beging Körperverletzung und fuhr ohne Führerschein Auto. Sollte er nach seiner Entlassung rückfällig werden, drohe ihm Sicherheitsverwahrung, prophezeite Grunke.

Auch diesmal floss die Strafe für weitere Vergehen ins Urteil ein. Felix M. betrog die Großmutter seiner damaligen Lebensgefährtin. Er belog und bestahl seine Freundin, die er erst vor einem Jahr kennen lernte. Er stahl Mietwagen und beging Tankbetrug.

Vor allem aber fuhr er im Mai über einen unbeschrankten Bahnübergang, obwohl er den Triebwagen hätte wahrnehmen können. Bei dem Unfall wurde der kleine Sohn seiner Freundin schwer verletzt. Als Zeugin hatte seine ehemalige Freundin gesagt, sie habe „nur noch Verachtung“ für ihn übrig. Und sie ließ es sich nicht entgehen, im Gerichtssaal zu sein, als das Urteil gegen ihren Ex-Freund fiel. Dazu äußern wollte sie sich allerdings nicht.

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