zur Navigation springen

"Jahr der Romantik" Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge : Sehnsuchtsort Norden

vom

Die weißen Kreidefelsen auf der Insel Rügen oder die backsteinerne Ruine des Klosters Eldena. Obwohl schon lange in Dresden lebend, bleibt der Maler Caspar David Friedrich ein freiwillig Gefangener seiner Heimat.

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 10:18 Uhr

Greifswald | Die weißen Kreidefelsen auf der Insel Rügen, die backsteinerne Ruine des Klosters Eldena oder einfach nur - das Meer: Obwohl schon lange in Dresden lebend, bleibt der Maler Caspar David Friedrich (1774-1840) ein freiwillig Gefangener seiner pommerschen Heimat.

Verpackt in symbolbeladenen Motiven findet sie sich bis zum Lebensende in seinen Werken. Siebenmal wird Friedrich in den 46 Jahren nach seinem Weggang aus der Heimat an den Ostseestrand zurückkehren, sagt die Greifswalder Kunsthistorikerin Birte Frenssen.

"Der Norden wird sein Sehnsuchtsort bleiben." Nicht nur Friedrich, der als bedeutendster Vertreter der deutschen Romantik gilt, sondern auch Künstlerkollegen wie Philipp Otto Runge (1777-1810) und Georg Friedrich Kersting (1785-1848) stammen aus Orten, die mit Wolgast und Güstrow im heutigen Mecklenburg-Vorpommern liegen.

Mit einem "Jahr der Romantik" will das Bundesland nun dieses künstlerische Erbe stärker in den Mittelpunkt rücken und wirtschaftlich-touristisch vermarkten. Es ist ein längst überfälliger Schritt. Bislang richtete sich der touristische Fokus für Kunstliebhaber auf die Backsteingotik und Bäderarchitektur.

"Die Romantik stand in der touristischen Vermarktung bislang nicht im Zentrum", sagt der Sprecher des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf. Er sieht dafür mehrere Gründe: Baudenkmäler sind im Gegensatz zur Kunst der Romantik auf den ersten Blick sichtbar. Hinzu komme: "Das touristische Gelände der Romantik war bislang noch nicht kartiert." Inzwischen habe sich die Situation geändert, sagt Woitendorf. Mit einem Flyer, zunächst in einer Auflage von 40 000 Stück, sollen Interessenten an die Geburts- und Malorte der Romantiker gelockt werden.

Auftakt für das "Jahr der Romantik" bildet die Veröffentlichung eines im Hinstorff-Verlag erschienenen Buches mit dem Titel "Natürlich romantisch" der Greifswalder Kunsthistorikerin Frenssen und des Fotografen Thomas Grundner am 5. September. Auf den Tag genau vor 239 Jahren war Caspar David Friedrich in Greifswald geboren worden. Zudem wird eine Website mit dem gleichen Namen freigeschaltet, die Geburts- und Malorte, die landesweit mehr als 40 Partner und geplanten Veranstaltungen auflistet.

Für das Buch hat der Fotograf Grundner den Sehnsuchsorten der Romantiker nachgespürt und sie in diesem magisch anmutenden Licht fotografiert, in dem die Maler sie sahen: Die bei Friedrich für die Vergänglichkeit stehende Klosterruine Eldena dokumentierte der Fotograf so mit seiner Kamera im Winter. Eine Ruine im Frühling oder in Morgenstimmung - für die Romantiker undenkbar. Detailreich beschreibt Frenssen, was die Künstler mit den Orten verband und geht dabei auch auf die bislang wenig bekannte Freundschaft Friedrichs mit Kersting ein.

Das Buch trägt nach Auffassung des Landestourismusverbandes stark dazu bei, dass die Romantik jetzt ein "bereisbares" Thema wird. "Die Orte wurden sichtbar, die Traditionen sind nachvollziehbar", sagt Woitendorf. Das Thema werde sicher nicht Millionen Touristen in den Norden bringen, aber der Landestourismusverband erhofft sich einen über den Kulturtourismus hinausgehenden Imageeffekt, vor allem bei denen, die in Mecklenburg-Vorpommern noch immer eine kulturlose Region sehen.

An der Initiative beteiligen sich neben dem Tourismusverband und Landesmarketing zahlreiche Museen, Kommunen und Kultureinrichtungen.

Neubrandenburg plant - analog zu Greifswald - einen Bildweg, auf dem Besucher auf den Spuren der Romantik wandeln können. Friedrichs Eltern stammen aus Neubrandenburg.

Das Staatliche Museum in Schwerin, das Ernst-Moritz-Arndt-Museum in Garz auf Rügen, das Runge-Haus in Wolgast planen Ausstellungen oder andere Initiativen, die sich auf die Epoche der Romantik beziehen. Informationen dazu findet der Interessent vom Abend des 5. September an auf der Website.

Der Künstlerfreund von Friedrich, Carl Gustav Carus (1789-1869) stellt sich die Frage, warum der Norden mit seiner ähnlichen Natur wie die in den Niederlanden ebenso hervorragende Künstler hervorgebracht hat. Seine Antwort, die man in Frenssens Buch nachlesen kann: "Weil in der Kunst wie im Leben die Tiefe in wenigem immer mehr wirken muss, als die Oberflächlichkeit in vielem."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen