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3000 Seemeilen für die Schweinswale : Segeln in tierischer Mission

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Silja Schröder und Jan Singer segeln ein halbes Jahr über die Ostsee – 3000 Seemeilen im Dienste der Forschung. Auf ihrem Törn spüren sie dem Schweinswal nach. Sie wollen möglichst viele der bedrohten Tiere sichten.

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erstellt am 10.Apr.2012 | 06:16 Uhr

Stralsund | Getrieben von einer kräftigen Brise steuert die "Fritsjen" gestern den Stralsunder Hafen an. Seit 1. April sind der 38-jährige Jan Singer und seine Freundin Silja Schröder mit ihrem Segelboot im Dienste der Forschung auf der Ostsee unterwegs. Den Bug ihres Bootes ziert eine Schweinswalmutter mit Kalb - das Bild steht für das Ziel ihres sechsmonatigen Segeltörns: möglichst viele Schweinswale zu sichten und dem Deutschen Meeresmuseum zu melden.

Beim Segeln gebe es kaum etwas Schöneres als das Schnauben der Schweinswale, die urplötzlich neben dem Boot auftauchen, erklärt Silja Schröder. "Wir möchten, dass das so bleibt." Dass sie ihre halbjährliche berufliche Auszeit nun mit dem Sichtungsprojekt verbinden, sei eine logische Ergänzung.

Bis zum Oktober wollen der IT-Berater Jan Singer und die studierte Betriebs- und Sportwissenschaftlerin Silja Schröder mit ihrem Boot rund 3000 Seemeilen auf der Ostsee zurücklegen. Über Polen führt sie die Reise nach Kaliningrad und weiter nach Estland. Von St. Petersburg steuern sie weiter in den Bottnischen Meerbusen und nach Stockholm, wo sie sich mit den Forschern des Schweinswal-Projektes SAMBAH (Static Acoustic Monitoring of the Baltic Sea Harbour porpoise) treffen. Im Oktober wollen sie ihren Törn in Kiel beenden. Jede einzelne Sichtung dieser bis zu 1,80 Meter langen Meeressäuger wird per Funk an das Meeresmuseum gemeldet.

Mit der Ankunft der "Fritsjen" hat das Deutsche Meeresmuseum gestern das diesjährige Sichtungsprojekt für Freizeitskipper gestartet. Die Wal-Sichtungen durch Wassersportler können kein wissenschaftliches Forschungsprogramm ersetzen, sagt der Stralsunder Meeresbiologe Jens Koblitz. "Sichtungsmeldungen östlich von Rügen sind für uns besonders wertvoll, denn die Datenlage ist dort sehr dünn", sagt der Projektleiter. Im Jahr 2002 wurden das letzte Mal belastbare Daten zum Bestand der Schweinswale in dieser salzärmeren Ostseeregion ermittelt. Die Forscher schätzen den Bestand in diesem Bereich auf rund 180 Tiere.

Die Initiative, Schweinswale von Wassersportlern melden zu lassen, geht auf die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere zurück, die 2002 erstmals Segler aufrief, ihre Daten zu melden. Seitdem gingen pro Jahr rund 1000 Sichtungsmeldungen ein - von Einzeltieren bis zu Gruppen mit zehn Tieren. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Meldungen wetterbedingt auf 770 zurück. Die Stralsunder Forscher verweisen darauf, dass bei dem schlechten Sommerwetter einfach weniger Segler unterwegs gewesen seien.

Von den Daten erhoffen sich die Stralsunder Forscher parallel zu den laufenden Forschungsprogrammen mit akustischen Messinstrumenten zusätzliche Informationen zu Populationsdichte und zu möglichen Geburts- und Aufzuchtgebieten. Zugleich dient das Sichtungsprojekt dazu, die Öffentlichkeit für den Schutz der bedrohten Meeressäuger zu sensibilisieren.

Die Pommersche Bucht östlich von Rügen - so vermuten die Forscher - dient vor allem als Rückzugsgebiet der in der zentralen Ostsee lebenden Schweinswale. Vor allem in Wintern mit einem hohen Eisdruck seien dort Schweinswale nachgewiesen worden. Das Bundesamt für Naturschutz hat deshalb vorgeschlagen, diese Gebiete für die Stellnetzfischerei zu sperren - ein Vorhaben, das bei den Fischern auf massive Kritik gestoßen ist.

Wissenschaftliche Ergebnisse zu den Beständen erwarten die Wissenschaftler in einem Jahr, wenn die Daten aus dem SAMBAH-Projekt ausgewertet sind. Für das Forschungsvorhaben, an dem alle Ostseeanrainer mitwirken, wurden 300 akustische Messgeräte, sogenannte PODs, in der Ostsee ausgebracht. Sie registrieren noch bis Ende 2012 flächendeckend die Klicklaute von Schweinswalen. Mit den so gesammelten Daten könne dann die Bestandsdichte im Untersuchungsgebiet genauer berechnet werden.

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