Seen fallen im Öko-Test durch

<fettakgl>Gewässerkontrolle: Sabine Deutschmann</fettakgl> nimmt eine Wasserprobe aus dem Schweriner See.<foto>Hamm</foto>
Gewässerkontrolle: Sabine Deutschmann nimmt eine Wasserprobe aus dem Schweriner See.Hamm

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25. November 2009, 08:29 Uhr

Schwerin | Schnurgerade Flüsse, zu viele, für Fische unüberwindbare Wehranlagen, Nährstoffalarm in der Ostsee und Chemiebelastung im Grundwasser: Der Großteil der mehr als 2000 Seen, 40 000 Kilometer Flussläufe und 1,6 Millionen Hektar Ostseeküstengewässer in MV weisen deutliche Mängel auf. Gerade einmal zehn Prozent der Flüsse, nur zwei von drei Seen und 55 Prozent der Grundwasserspeicher erfüllten derzeit die scharfen Kriterien der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, teilte Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin mit. In den Boddengewässern und Küstenabschnitten der Ostsee gebe es nicht ein Gebiet, das den hohen Öko-Standards standhalte. "Kein Grund zur Panik", meinte Backhaus trotzdem. "Mecklenburg-Vorpommern verfügt dennoch über eine gute Wasserqualität" und beste Badewassergüte.

Der Öko-Zustand der Gewässer lässt zu wünschen übrig: Zwar seien in den vergangenen 20 Jahren "gigantische Investitionen von 1,5 Milliarden Euro" in die Abwasserentsorgung geflossen. "Trotzdem ist der gute ökologische Zustand nicht erreicht", sagte Backhaus. "Wasser hat ein langes Gedächtnis." Grund für schlechten Zustand seien u. a. die Überdüngung der Gewässer mit Pflanzennährstoffen aus DDR-Zeiten und der Ausbau der Gewässer mit schnurgeraden Wasserläufen. Die Boddengewässer seien zudem jahrzehntelang als "Müllhalde" missbraucht und Abwässer der Industrie und Haushalte eingeleitet worden. Zudem gehöre MV zu den Ländern mit den meisten Stau- und Wehranlagen, die Fischen die Durchgängigkeit verwehrten. Noch habe MV "kein Problem mit dem Grundwasser", so Backhaus. Der erste Grundwasserleiter sei aber bereits mit Nährstoffen belastet. "Wenn wir nichts ändern, wird aber auch der zweite Grundwasserleiter, aus dem wir unser Wasser schöpfen, beeinträchtigt", warnte er.

Die Zeit wird knapp: Nach der europaweiten Wasserrahmenrichtlinie haben sich die Länder verpflichtet, bis Ende 2015 einen "guten ökologischen und guten chemischen Zustand" der Gewässer zu erreichen. Das Land hält Backhaus zufolge an dem Ziel fest. Dazu würden in den nächsten Jahren Flüsse wieder zurückgebaut, starre Wehranlagen abgebaut oder durch Schwellen aus Feldsteinen ersetzt, Seen saniert und das Wasserrückhaltevermögen durch das bestehende Moorschutzprogramm erhöht werden. Bis 2015 stehen dafür 91,5 Millionen Euro bereit, erklärte Backhaus. So würden in den nächsten sechs Jahren zehn Seen - u. a. der Teterower See, der Zirker See, der Iveancker See und Goldensee - saniert.

Das wird nicht reichen: Mit den erst 2007 per Gesetz deutlich von sieben auf drei Meter verkleinerten Schutzstreifen an Gewässern, in dem Landwirte nicht düngen dürfen, und dem in der Planung befindlichen Steinkohlekraftwerk Lubmin gerieten die Pläne in Gefahr, kritisierte BUND-Naturschutzexperte Arndt Müller. "Wenn es nicht gelingt, die Küsten von solchen Projekten freizumachen, sind die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie nicht zu erreichen." MV sei zwar beim Ausbau der Rückhaltegebiete mit dem Moorschutzprogramm beispielhaft. Hingegen würden die Gewässer durch immer neue Bauprojekte in Küstenschutzstreifen wie beispielsweise in der Wismarer Bucht beeinträchtigen.

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