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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 21:07 Uhr

Kaliss : Schwitzen für warme Stube lohnt sich

vom

Heizen mit Holz liegt wieder voll im Trend der Verbraucher. Seitdem die Preise für Heizöl und Erdgas immer schneller in die Höhe schnellen, erinnern sich viele Verbraucher wieder an den nachwachsenden Rohstoff Holz.

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2012 | 09:59 Uhr

Kaliss | Heizen mit Holz liegt wieder voll im Trend der Verbraucher. Seitdem die Preise für Heizöl und Erdgas - und damit auch die für Benzin und Diesel - immer schneller in die Höhe schnellen, erinnern sich viele Verbraucher wieder an den nachwachsenden Rohstoff Holz. Der Verbrauch von Energie schlägt in vielen Haushalten immer spürbarer zu Buche, verlangt ebenso oft ein Umdenken, um über "eine warme Stube" zu verfügen. Da greifen selbst körperlich Arbeit ungewohnte Menschen zu Axt und Säge, um günstiger zu heizen.

Dass das so ist, das belegen Wolfgang Mundt von der Forstamtsverwaltung Conow in Kaliß und sein Kollege, Förster Fred Seifert aus dem Revier Neu Göhren mit Zahlen, Beobachtungen und Erfahrungswerten: "Holz aus dem Wald ist so gut wie frei von Schwefel und umweltbelastenden Schwermetallen, also pure Natur, die nachwächst", stellt Förster Mundt die Vorzüge von Brennholz vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Weltklima-Problematik heraus. Dass auch die Fachbetriebe für Heizungsanlagen seit einigen Jahren die Befeuerung mit Holz wieder in das unternehmerische Kalkül gezogen haben, hat Gründe, die auch auf das Verhalten der Verbraucher zurückzuführen sind. Mundt weiß ebenso, dass moderne Heizungsanlagen trockenes Holz so wirkungsvoll und umweltverträglich wie nie zuvor in wärmende Energie umwandeln. "Holzheizungen erreichen Emissionswerte, die jede Messlatte gesetzlicher Vorgaben unterbieten", schwören beide Förster auf ihren Naturschatz vor der Haustür.

Raummeter Holz so ergiebig wie 200 Liter Heizöl

Jeder Schatz will aber auch gehoben werden. Und das bedeutet bei der Nutzung von Holz, dass jedes Stück drei, ja oft noch öfter angefasst werden muss, bis es im Ofen landet, bekräftigt Mundt diese alte Weisheit: "Und doch rechnet sich die Nutzung von Kiefer, Birke, Eiche, Buche oder Esche im Vergleich zu Strom, Gas oder Öl." Erntet ein Selbstwerber - also jemand, der sein Brennholz direkt aus dem Wald mit eigener Körperkraft schlägt und holt - einen Raummeter Nadelholz, zahlt er beim Forstamt dafür 10,70 Euro; bei Hartlaubholz sind es aktuell 15 Euro. Ein Raummeter (rm) entspricht rund 420 Kilogramm an Masse. Mit solch einer Menge Hartholz ist es dem Verbraucher möglich, den Heizwert von rund 200 Litern Heizöl oder etwa die selbe Kubikmeteranzahl von Erdgas zu ersetzen, lautet die Beispielrechnung, in der der Förster den rechnerischen Wert von einem Liter Heizöl mit 90 Cent fixiert. Entsprechend zu Briketts rechnete Mundt einen Heizwert von 350 Kilogramm vor. Dabei legt er einen Kohlepreis von 35 Cent je Kilo zu Grunde. "Schwitzen bei der Holzernte für die warme Stube lohnt sich", argumentiert Mundt pro Brennholz.

Nun muss ein Mensch, der es möglichst günstig, jedoch unbedingt gemütlich warm in der Wohnung haben möchte, nicht selbst die körperlich schwere und nicht ungefährliche Holzernte vornehmen, geben Mundt und Seifert einen Tipp. Die Forstämter in der Landesforst bieten ofenfertiges Brennholz an. So ist der Raummeter Kiefernholz in Kaliß auf dem Forsthof bereits für 35 Euro zu haben; für Buche, Birke oder Eiche muss ein Zwanziger zugezahlt werden - selbst das Bringen bis vor die Haustür ist gegen Aufpreis möglich, sollte jedoch stets mit den Forst-Mitarbeitern abgesprochen werden.

Damit die Holzernte im Wald unbeschadet vonstatten geht

Die Anzahl an Selbstwerbern hat in den vergangenen Jahren sprunghaft zugenommen, berichtet Förster Seifert. In seinem Revier waren im vergangenen Jahr 139 Kunden unterwegs, holten durchschnittlich jeweils etwas über sieben Raummeter Holz nach Hause. Noch vor 20 Jahren lag die Nachfrage lediglich bei 55 Raummetern für das gesamte Revier Neu Göhren, im vergangenen Jahr kam die Summe von 952 Raummetern zusammen, so eine andere Information. "Die Nachfrage wird zunehmen", ist sich Seifert sicher, "denn in unseren Breiten ist jedes Jahr neun Monate lang Heizsaison. Die Preise für Energie sind hingegen bislang noch nicht spürbar gesenkt worden."

Verringert haben sich jedoch die Unfälle bei der Holzernte, in denen Selbstwerber zu Schaden kamen. Ein gewichtiger Grund sind die aktuellen Vorschriften, die von den jeweiligen Revierleitern ohne Spielräume und Augenzudrücken von unerfahrenen und erfahrenen Hobby-Holzfällern verlangt werden. Förster Fred Seifert kennt da kein Pardon, wenn ein Selbstwerber die erforderliche Bescheinigung im Umgang mit einer Motorkettensäge nicht vorzeigen kann. Wie bei den Waldarbeitern des Forstamtes, gilt auch für Selbstwerber, dass sie nie allein im Wald das Holz rücken. Dazu gehören stets Schnittschutz-Ausrüstung, Gehör- und Augenschutz und selbstverständlich ein Schutzhelm. Leichtsinn beim Holzeinschlag mitten im Wald kann schlimmste Folgen mit sich bringen. Und nicht immer gibt es dort den nötigen Handy-Empfang, um einen Notruf abzusetzen, so die Mahnung.


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