Schwesig tadelt Richter: Missbrauchsurteil zu milde

Der ehemaligen Hausmeister aus Rastow wurde wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Archiv
Der ehemaligen Hausmeister aus Rastow wurde wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Archiv

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29. März 2013, 04:28 Uhr

Schwerin | Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hat nach dem Urteil im Missbrauchssprozess gegen einen ehemaligen Schulhausmeister das Gericht kritisiert: "Bei allem Respekt vor der richterlichen Unabhängigkeit - ich empfinde dieses Urteil als zu milde. Kinder und Jugendliche haben oft ihr Leben lang mit den Folgen der Taten zu kämpfen", sagte die Ministerin gegenüber unserer Zeitung. Das Schweriner Landgericht hatte am Mittwoch einen ehemaligen Hausmeister aus Rastow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Das Urteil löst auch bei unseren Lesern eine heftige Diskussion aus. "Zwei Jahre auf Bewährung für das Zerstören der Kindheit..... Verdammt armes Deutschland", schreibt Diana Sattler auf der Facebookseite unserer Zeitung. Ähnlich empört äußerte sich Melanie Stein über das Urteil: "Das darf doch nicht wahr sein... boah... der Typ gehört weg gesperrt... für immer..."

Dagegen meint Marian Jabbusch: "Respektiert einfach dieses erfahrene Richter-Urteil unter Abwägung aller Fakten, dem Geständnis und in Relation zu ähnlichen Urteilen unter Berücksichtigung nicht vorhandener Vorstrafen, statt hier aus sicherlich verständlicher Wut hier wiederholt zu Folter und Mord aufzurufen!" Bis gestern 18 Uhr hatten xxx Nutzer den Gerichtsbericht unserer Zeitung auf Facebook gelesen. xxx von ihnen hatten den Beitrag kommentiert.

Mit der Urteilsverkündung seien die alten Wunden noch einmal aufgerissen worden, sagt Rastows Bürgermeister Hartmut Götze gegenüber unserer Zeitung. Dass es zum Urteil viele Meinungen gibt, könne er nachvollziehen. Auch dass einige sagen, der Verurteilte komme dabei zu gut weg. Götze selbst habe damit auch ein gewisses Problem. "Letztendlich aber akzeptiere ich das Urteil." Er hoffe nun, dass wieder Ruhe im Dorf einkehrt, vor allem aber am Schulstandort.

Rainer Becker von der Deutschen Kinderhilfe e.V. mahnt bei aller Erregung zu Sachlichkeit. "Das Gericht hat das Urteil nicht leichtfertig gesprochen." Das merke man auch an der Begründung. Er beteilige sich nicht an genereller Richterschelte, zumal er den Prozess nicht selbst beobachtet habe. Er verweist auf die Vorzüge des Rechtsstaats, der es erlaubt, Urteile anzufechten. Dies habe die Anwältin der Opfer angekündigt. Scharf kritisiert er aber, dass auch diesem Urteil ein "Deal" vorausging. Solche Absprachen unter Juristen - mildere Strafe im Gegenzug für ein Geständnis - haben seiner Überzeugung nach nichts in Missbrauchsprozessen zu suchen. Das Bundesverfassungsgericht hat erst in der Vorwoche mit einer Entscheidung mehr Transparenz beim Zustandekommen derartiger Absprachen gefordert. "Der Täter kommt mit Lippenbekenntnissen durch. Er muss sich mit seiner Schuld überhaupt nicht auseinandersetzen", sagt der Regionalbeauftragte Nord des Hilfsvereins und langjährige Polizist. Das werde den Kindern nicht gerecht. "Ihr Leid spielt nur noch aus prozesstaktischen Gründen eine Rolle. So werden sie ein weiteres Mal zu Opfern".


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