Diskussion um Schulwahl : Schwesig in der Zwickmühle

Manuela Schwesig (SPD)
Manuela Schwesig (SPD)

Kritik und Verständnis bestimmen den Diskurs um die Schulwahl der Ministerpräsidentin

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06. September 2017, 21:00 Uhr

Die Entscheidung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), ihr älteres Kind auf eine Privatschule zu schicken, sorgt weiterhin für Diskussionen. Nun konterte die Regierungschefin die Kritik. Die Wahl einer Privatschule für ihren Sohn sei kein Ausdruck mangelnden Vertrauens in das staatliche Schulsystem. Das Bildungssystem in MV bestehe aus öffentlichen Schulen und Schulen freier Träger, die vom Land auch finanziell gefördert würden. „Beide Schularten bieten für die Schülerinnen und Schüler in unserem Land guten Unterricht“, sagte Schwesig gestern in Wolgast. Ihr Sohn sei in den ersten vier Jahren in Schwerin auf eine staatliche Schule gegangen. „Und wir waren sehr zufrieden“, betonte die Regierungschefin. Zuvor hatte sie die Entscheidung für die von einem Verein getragene Schule mit dem kürzeren Schulweg für ihren Sohn begründet. Zur Kritik von Lehrerverbänden an der Schulwahl äußerte sich die SPD-Politikerin nicht.

Die Landeschefin der Erziehungsgewerkschaft GEW, Annett Lindner, sagte gestern: „Die Schulwahl für sein Kind steht jedem frei. Doch in ihrem Amt muss Frau Schwesig klar sein, dass eine solche Entscheidung auch eine Signalwirkung hat, für Eltern und für Lehrer.“

Aber natürlich kommt die Debatte für die Genossen, die im laufenden Bundestagswahlkampf für kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule werben, zur Unzeit. Parteivize Ralf Stegner ging gestern dennoch in die Offensive und verteidigte Schwesig. „Auf welche Schule das eigene Kind geht, ist eine persönliche und gänzlich private Entscheidung, die niemand zu Wahlkampfzwecken instrumentalisieren sollte“, erklärte Stegner gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Für die Familie Schwesig habe vor allem die Wohnortnähe eine Rolle gespielt. „Man sollte staatliche Schulen und Schulen in freier Trägerschaft nicht gegeneinander ausspielen.“

Kritiker wie Lehrerverbands-Chef Heinz-Peter Meidinger verweisen allerdings darauf, dass die SPD sich in der Vergangenheit gegen Privatschulen ausgesprochen habe, und dass Schwesigs Sohn nicht wie in MV üblich nach der 6., sondern schon nach der 4. Klasse auf die weiterführende Schule wechseln würde. „Indem sie ihr Kind auf eine Privatschule schickt, die mit der 5. Klasse beginnt, unterläuft sie die bildungspolitische Linie ihrer Partei“, so Meidinger gestern gegenüber unserer Zeitung.

Die CDU äußert Verständnis für die Kritik. „Frau Schwesig teilt viel aus. Sie muss auch mit Kritik leben können“, erklärte Eckardt Rehberg, stellvertretender CDU-Landeschef, gestern gegenüber unserer Redaktion. Schwesig habe ihre Kinder immer wieder in der Öffentlichkeit präsentiert und sich polarisierend zum Thema kostenfreie Bildung geäußert: „Wenn sie ihren Sohn auf eine Privatschule schickt, ist das keine Privatsache mehr.“

Schwesig ist nicht die erste Politikerin, die ihren Sohn auf eine Privatschule schickt und damit für Schlagzeilen sorgt. Die Kinder von Monika Hohlmeier (CSU), von 1998 bis 2005 Bayrische Staatsministerin für Unterricht und Kultus, gingen auf eine Waldorfschule. Sie gab damals „dem Wunsch der Kinder“ den Vorrang vor „politischem Kalkül“. Auch die Kinder von Andreas Stoch, von 2013 bis 2016 Kultusminister von Baden-Württemberg, gingen zur Waldorfschule.

SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti wollte 2008 in Hessen das Schulwesen ihres Landes umkrempeln, doch der Sohn besuchte ein privates Gymnasium. Eine öffentliche Ganztagsschule sei nicht in der Wohnortnähe gewesen, lautete die Begründung.

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