„Look 2012“ im Lok-Schuppen : Schwerins junge Mode

Innovativ und kreativ präsentierten sich die jungen Modemacher. Julia Bär  nannte ihre schwarze Kollektion „Schatten“, deren hohe Kragen bis ins Gesicht reichte. Fotos: Rainer Cordes
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Innovativ und kreativ präsentierten sich die jungen Modemacher. Julia Bär nannte ihre schwarze Kollektion „Schatten“, deren hohe Kragen bis ins Gesicht reichte. Fotos: Rainer Cordes

Ein hauchzartes gelbes Mini zum übergroßen, schweren Herrenmantel - was die Modeschüler der Schweriner Designschule am Sonnabendabend im Eisenbahnmuseum zeigten, brachte das Publikum zum Staunen.

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16. Juli 2012, 01:39 Uhr

Paulsstadt | Holzfällerhemd mit Schleppe und kurzer Hose, ein hauchzartes gelbes Mini zum übergroßen, schweren Herrenmantel, ein Abendtraum in Dunkelrot mit offenem Rücken und Fellimitat am Dekolletee - was die Modeschüler der Schweriner Designschule am Sonnabendabend im Eisenbahnmuseum zeigten, brachte das Publikum zum Staunen. Und zu Beifallsstürmen. Die rund 400 Gäste erlebten eine Show, die sich nicht mit den bekannten Verkaufsschauen der großen Einkaufszentren messen sollte. Die Designschüler hatten sich die Fashionweeks in Berlin, Paris oder New York zum Vorbild genommen. Und tatsächlich ist in der Landeshauptstadt bisher noch keine Show so nah dran gewesen an den großen Originalen.

"Look 2012" war der Titel der neuen Präsentation, die frischen Wind in die Schweriner Modewelt bringen und mittelfristig vom Geheimtipp zum Großereignis mit Gastdesignern werden soll. Ein bunt gemischtes Publikum war bei der Premiere ins Eisenbahnmuseum gekommen. Mütter mit Teenie-Töchtern, die sich Inspiration und einen tollen Ferienabend wünschten, waren ebenso vertreten wie die Sponsoren - etwa Sparkassenvorstand Diedrich Baxmann - oder Fachfrau Bettina Lauer, langjährige Kostümchefin des Staatstheaters. Sie sahen Mode-Ideen "made in Schwerin", die äußerst minimalistisch über den Laufsteg getragen wurden. Die Models - und das war der kleine "Schock" am Anfang - traten dafür mit Glatze auf. Die war natürlich nur künstlerisch gestaltet. Bei der Aftershow-Party tauchte dann wieder die blonde oder brünette Lockenpracht auf.

Doch so wirkten die jungen Frauen wie lebendige Schaufensterpuppen auf dem Catwalk im Technikmuseum. Über mehrere Monitore flimmerte jeweils der Name der Modeschöpferin und der Titel ihrer Präsentation. Von "sofort tragbar" bis "spannende Vision" reichte das Spektrum. Einiger der spektakulärsten Einfälle: Corinna Lukaszewicz zeigte nicht nur Pelz zur Leggins, sondern auch eine moderne Venus von Wilmersdorf mit jeder Menge Polstern an den weiblichen Problemzonen. Desiree Diller-Marquardt schickte ihre männlichen Models in knall-pinker Latzhose und in zartrosa Teddy-Jacke auf den Laufsteg. Bei "Welcome to my Freakshow" präsentierte Celina Verena Gorgosch dunkle, schlichte Kleider mit offenen Nähten, die mit hellen Knoten verschlossen waren und an Frankenstein-Bilder erinnerten. Juliane Borths hatte sich für ihre eleganten, vernetzten Abendkleider dicke, gefütterte Stiefel ausgesucht und eines ihrer Kleider mit kleinen Lampen verziert. Julia Bär nannte ihre schwarze Kollektion "Schatten" - die Models erschienen nicht nur ohne Haare, sondern fast auch ohne Gesicht. Die schwarzen Kragen waren bis kurz unter die Augen hochgezogen.

Ausgesprochen tragbar und wahrscheinlich auch sofort verkäuflich waren zum Beispiel die Stücke von Sandra Marquardt oder Kim Wagner, die vor allem die Herzen jeder Romantikerin höher schlagen ließen. Die schönsten und glamourösesten Abendkleid-Träume erfüllte ganz zum Schluss Lydia Zomik, deren bauschige Stoff-Werke zu den meistfotografierten des Abends gehörten.

Viel Beifall und viel Lob gab es vom Publikum für die "Look 2012", die kaum noch an eine herkömmliche Schulveranstaltung erinnerte. "Ein Megaerfolg", kommentierte der stellvertretende Schulleiter Stephan Haring, der für den Fachbereich Mode zuständig ist und die Look als Label miterfunden hat. Nur ganz zum Schluss, da wurde es eben doch noch mal schulisch - mit Dank an Lehrer, Eltern, Freunde, Models und Stylisten. Die Bilanz der Mode-Abschlussklasse nach der ersten "Look": "Wir haben viel gelacht und viel geweint. Aber wir haben viel gelernt."

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