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Schweriner Zelltest schränkt Tierversuche ein

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erstellt am 29.Jul.2013 | 07:15 Uhr

Schwerin | Hightech aus MV als Alternative zu weltweiten Tierversuchen: Das Schweriner Biotech-Unternehmen Primacyt ist mit der Züchtung von menschlichen Haut- und Leberzellkulturen für Tests in der Pharma- und Kosmetikentwicklung in die europäische Spitzengruppe aufgerückt. Das Fünf-Mann-Unternehmen ist von der Europäischen Kommission und dem EU-Institut ECVAM in Italien zum EU-Referenzlabor benannt worden, das neue, europaweit vergleichbare und anerkannte Testmethoden zum Ersatz und zur Vermeidung von Tierversuchen in der Pharmaforschung, Kosmetikentwicklung und chemischen Industrie untersuchen soll, teilte das Unternehmen mit. Die Schweriner haben sich an einer europaweiten Ausschreibung zum Aufbau eines flächendeckenden Prüfnetzes beworben und gehören seit wenigen Tagen zu den 13 von der EU ernannten Prüflaboren, davon drei in Deutschland, erklärte Firmenchef Dieter Runge. Brüssel will damit Alternativen zu herkömmlichen Tierversuchen entwickeln, die nach Standardarbeitsvorschriften überall in Europa verbindlich sein sollen. "Wir fühlen uns natürlich sehr geehrt und in unserer Arbeit bestätigt. Möglich wurde das nur dank hochqualifizierter Mitarbeiter, die engagiert bei der Sache sind", betonte Runge.

Bundesweit wurden 2011 etwa 2,9 Millionen Wirbeltiere für Tierversuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendet. 60 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. 85 Prozent der Versuchstiere waren Nagetiere, vor allem Mäuse und Ratten. Europaweit wurden zwölf Millionen Tiere für Versuchszwecke eingesetzt. Ob Deo, Shampoo oder Creme: Seit März sind in der EU an Tieren getestete Kosmetika zwar verboten, allerdings gilt das Verbot nur für Inhaltsstoffe, die ausschließlich in Schönheits- und Pflegemitteln enthalten sind. Tests für alle anderen Stoffe fallen unter das Chemikalienrecht, das Tierversuche zulässt. Auch für die Zulassung von Medikamenten würden Tierversuche weiter notwendig sein, meinte Runge. Durch Tests mit Zellkulturen ließen sie sich aber deutlich verringern. "Viele Tierversuche sind unnötig", erklärte der Experte. So müssten z. B. bei der Herstellung des Antifaltenmittels Botox Chargentests gemacht werden, bei denen häufig Mäuse zum Einsatz kämen. Das sei unnötig und könne auch mittels Tests im Reagenzglas untersucht werden.

Das 2004 gegründete Unternehmen hat sich mit der Beteiligung der landeseigenen Risikokapitalgesellschaft Genius zu einem der bundesweit führenden Hersteller menschlicher und tierischer Zellkulturen für Testverfahren entwickelt, die von Universitäten und großen Pharmakonzernen in Deutschland, aber auch in der Schweiz und Großbritannien eingesetzt werden.

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