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Wegfall der Sommer-Veranstaltung : Schweriner wollen Schlossfestspiele

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Dass das verordnete Sanierungskonzept für das Mecklenburgische Staatstheater auch das Ende für Schweriner Schlossfestspiele bedeutet, bringt viele Bürger auf die Palme. Kritik hagelt es vor allem aus der Wirtschaft.

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erstellt am 18.Mär.2012 | 06:37 Uhr

Schwerin | Dass das verordnete Sanierungskonzept für das Mecklenburgische Staatstheater auch das Ende für Schweriner Schlossfestspiele bedeutet, bringt viele Bürger auf die Palme. Kritik hagelt es vor allem aus der Wirtschaft, die eine Schwächung des Standortes Schwerin und Einkommensverluste vor allem für Hotellerie und Gastronomie befürchtet.

Die Chefin des Schweriner Unternehmerverbandes, Karin Winkler, findet dafür deutliche Worte: "Wir fordern den Erhalt des Mecklenburgischen Staatstheaters und seiner künstlerischen Qualität. Und wir fordern die Fortführung der Schlossfestspiele." Auf dem bevorstehenden Ball der Wirtschaft werde sich die Unternehmerschaft hierfür nachdrücklich gegenüber der Politik einsetzen, kündigte sie an. Die Landesregierung müsse endlich ein tragfähiges Konzept für die Gestaltung der Theaterlandschaft vorlegen. "Die Förderung nach dem Gießkannenprinzip muss ersetzt werden durch die Konzentration auf leistungsfähige Theater, die ein Aushängeschild für die Region und für das Land sind", erklärt die Unternehmerin.

Noch klarer spricht es die Schweriner Dehoga-Regionalleiterin Jana Maiwirth aus: "Wir brauchen das Theater und die Schlossfestspiele. Sicher lässt sich das nicht an jedem Tag mit Heller und Pfennig beziffern, aber es ist unbestritten, dass gerade zu Höhepunkten wie den Sommer-Opern oder den Winter-Musicals mehr Leute als üblich Übernachtungen in Schwerin buchen", berichtet sie. "Wenn wir Gäste aus Lauenburg, Mölln, Ratzeburg und so weiter dazu bewegen wollen, nicht nach Hamburg ins Theater zu fahren, sondern nach Schwerin, dann muss man Qualität bieten." Sie wisse aus langjähriger Erfahrung, dass Schwerin gerade wegen der Kultur bei vielen Leuten im Gespräch sei. Für die Dehoga-Chefin gibt es aber noch einen anderen Grund, für eine gute Schweriner Bühne zu kämpfen. "Meine Tochter ist 16 und hat ein Theater-Abo und zwar deshalb, weil das Haus jungen Leuten etwas bietet, was sie mögen. Diese Form von kultureller Bildung zu beschneiden, ist barbarisch", sagt die Mutter.

Entsetzt von den Kürzungsplänen ist auch Nadine Hintze, die Geschäftsführerin des Regionalmarketing-Vereins. "Die Haltung der Landespolitik lässt jegliche Konstruktivität vermissen. Sollte es zu den dramatischen Einschnitten kommen, wird viel von dem kaputt gemacht, wofür wir seit Jahren gearbeitet haben. Die Schlossfestspiele sind für Schwerin unverzichtbar."

Theaterintendant Joachim Kümmritz ist traurig: "Wir haben 1993 die Schlossfestspiele mit Marlowes Faust aus der Taufe gehoben, 1999 sind wir mit Aida auf den Alten Garten gegangen. Viele Schweriner werden sich sicher gern an die schönen Aufführungen mit grandiosen Stimmen erinnern wie etwa mit Natalia Ushakova, die mit Placido Domingo oder Jose Carreras auf der Bühne steht, oder an große Schauspieler wie Gojko Mitic. Es wäre schade, wenn es das künftig nicht mehr gäbe."

In diesem Sommer steht "Bajazzo" auf dem Spielplan. Dafür sind 7000 Karten verkauft und 5000 reserviert. Das sind mehr als im Vorjahr. Schwerin ist solidarisch.


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