Kindesmissbrauch : Schweriner vergeht sich an mindestens zehn Jungen

Größter Missbrauchs-Prozess in MV / Angeklagter gesteht 33 Taten

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12. März 2015, 21:15 Uhr

Vor dem Schweriner Landgericht hat der vermutlich größte Missbrauchs-Prozess in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns begonnen.

Ein 24-jähriger Schweriner gestand gestern, im Frühjahr und Sommer 2014 mindestens zehn Jungen vielfach sexuell missbraucht zu haben. Der gelernte Bürokaufmann hatte die Kinder vor einer Grundschule oder auf einer Freizeit-Anlage am Stadtrand angesprochen und sie immer wieder in seine Wohnung gelockt, wo er sich an ihnen verging. Der Jüngste war gerade einmal sechs Jahre alt, der Älteste 13.

Bekannt wurden die Taten erst Ende September vergangenen Jahres, als eines der missbrauchten Kinder sich seiner Mutter und seinem Großvater anvertraute. Sie zeigten den Mann, der ihnen aus der Nachbarschaft bekannt war, sofort bei der Polizei an. Er wurde Anfang Oktober verhaftet.

Das ganze Ausmaß der Verbrechen kam erst im Laufe der Ermittlungen ans Tageslicht.

Vor Gericht räumte der Angeklagte gestern alle 33 Taten ein, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Die Ermittler gehen davon aus, dass er weitere Kinder missbrauchte.

Nicht alle Taten konnten allerdings so konkret benannt werden, dass es zur Anklage reichte.

Dem Mann droht eine langjährige Freiheitsstrafe, denn er steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Mehrmals wurde er bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt.

In einem Schweriner Internet-Forum kam es unterdessen zu schweren Beschimpfungen gegen den Angeklagten. Einige Forum-Teilnehmer forderten die Todesstrafe oder aber, ihn zu kastrieren. Auch gegen das Gericht wurden heftige Drohungen ausgesprochen.

Bei allem Verständnis für die Empörung über die Taten des Angeklagten, gingen einige Beschimpfungen und Drohungen doch zu weit, sagte der Verteidiger des Angeklagten.

Der Vorsitzende Richter Armin Lessel sagte, das Gericht wolle ein Zeichen gegen solche Beschimpfungen setzen, indem es ein Protokoll des Internet-Forums zu den Gerichtsakten nahm. Die Staatsanwaltschaft will nun „in Ruhe“ prüfen, inwieweit einzelne Beiträge in dem Forum strafbar sein könnten.

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