Studie : Schweriner sind besonders streitlustig

Zoff am Gartenzaun: Wer einen Streit nicht mehr selbst lösen kann, hat die Möglichkeit, einen Schiedsmann zu Hilfe zu holen.
Zoff am Gartenzaun: Wer einen Streit nicht mehr selbst lösen kann, hat die Möglichkeit, einen Schiedsmann zu Hilfe zu holen.

28 Streitfälle pro 100 Einwohner in der Landeshauptstadt

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08. Januar 2018, 21:00 Uhr

Ob Ärger mit dem Nachbarn, Stress beim Autokauf oder Unstimmigkeiten mit dem Vermieter – in Mecklenburg-Vorpommern streiten die Schweriner am häufigsten vor Gericht oder rufen Schiedsstellen an. Auf 100 Einwohner gerechnet gab es 2016 in der Landeshauptstadt 28 Streitfälle, so eine jetzt veröffentlichte Studie der Advocard Rechtsschutzversicherung, die 1,7 Million Streitigkeiten im gesamten Bundesgebiet ausgewertet hat. Die Rostocker sind mit 25,4 juristischen Auseinandersetzungen etwas weniger schnell auf der Palme. Schlusslicht ist der Landkreis Vorpommern-Greifswald mit 23,5 Streitfällen. Der Landesdurchschnitt liegt bei 25,4.

„Schwerin ist eine Beamtenstadt“, versuchte ein Schweriner Rechtsanwalt gestern eine Erklärung für die regionalen Unterschiede. Die Affinität gegenüber Paragrafen sei in einer Stadt mit viel Beschäftigten in Verwaltungen möglicherweise größer. Außerdem sind die Durchschnittseinkommen in Schwerin höher und damit auch die Bereitschaft für Anwälte, Rechtsschutzversicherungen und Gerichtskosten Geld auszugeben.

Im Vergleich zu den Vorjahren wird vor Gericht allerdings weniger gestritten. So ist beispielsweise die Zahl der Zivilverfahren des Landes rückläufig. Nach Angaben des Justizministeriums gingen 15 850 Klagen 2016 bei den Amtsgerichten ein – elf Prozent weniger als noch 2014. Einen Rückgang von zwölf Prozent verzeichneten im selben Zeitraum die vier Landgerichte, mit 4215 Klagen im Jahr 2016.

Männer sind übrigens mehr auf Krawall gebürstet als Frauen, auch das geht aus der Studie von Advocard hervor. Im Landkreis Rostock beispielsweise werden 64 Prozent der Streitigkeiten von Männern ausgetragen, im Landkreis Nordwestmecklenburg 58,5 Prozent und in Schwerin 58 Prozent.

Kommt es zur juristischen Auseinandersetzung, kann sich das in Mecklenburg-Vorpommern laut Studie in die Länge ziehen. In Rostock dauern 47 Prozent der Streitigkeiten länger als zwölf Monate, jeder zehnte sogar länger als zwei Jahre. In Schwerin sieht es ähnlich aus. Dort können 13,5 Prozent der Streitigkeiten erst nach zwei Jahren beigelegt werden. Immerhin 14,5 Prozent erledigen sich aber in den ersten drei Monaten.

Gestritten wird nahezu über alles. Die Hitliste der beliebtesten Klagegründe bei Nachbarschaftsstreitigkeiten vor Gericht in Deutschland führt mit 22 Prozent der Baulärm an. Bei 17 Prozent der Klagen geht es um Musiklärm.

Infografik: Streit am Gartenzaun | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
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