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„Race Across America“ : Schweriner rasen durch Amerika

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stefan Nimke, Daniel Rackwitz, Dennis und Michael Kruse starten beim härtesten Radrennen der Welt – als erstes Mecklenburger Team

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2014 | 11:55 Uhr

Am 14. Juni startet das große Abenteuer „Race Across America“, das RAAM mit einer Premiere: Erstmals wird ein Team aus Mecklenburg-Vorpommern beim härtesten Radrennen der Welt an den Start gehen. Vor den vier Schweriner Fahrern Michael und Dennis Kruse, Daniel Rackwitz und Stefan Nimke liegen mehr als 4800 Kilometer Strecke in 14 Bundesstaaten der USA. Mehr als 30 000 Höhenmeter, verteilt über vier Zeitzonen haben sie dabei zu überwinden und insgesamt müssen sie vier Klimazonen durchfahren.

Start ist im Westen in Oceanside/San Diego auf Meereshöhe. Danach geht es gleich hoch hinauf über die Rocky Mountains in Richtung Osten, der höchste Pass liegt dabei auf mehr als 3300 Meter Höhe. Anschließend, führt die Fahrt immer weiter gen Osten, geht es durch die Wüsten und die unendlich erscheinenden Heartlands im Mittleren Westen. Den Mississippi überquert, geht es durch die fruchtbaren Regionen des mittleren Ostens und wieder hinauf auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel in die Appalachen. Von dort führt die Tour schließlich nur noch abwärts bis an die Ostküste der USA zum Zielort Annapolis in der Nähe von Washington DC.

Diese Zeilen lesen sich allerdings deutlich schneller, als sich die USA mit dem Fahrrad durchqueren lassen. Es geht nonstop vom Pazifik zum Atlantik – eine Strecke, die mehr als ein Drittel, nämlich rund 1300 Kilometer länger ist als die Tour de France. Nach dem Startschuss in Kalifornien bleiben dem Team maximal 216 Stunden, also 9 Tage, um alle 55 Checkpoints zu passieren und das Ziel zu
erreichen. „Unser Plan ist es jedoch, in weniger als fünf Tagen und 23 Stunden anzukommen und damit das Limit mit neuem Rekord zu unterbieten“, sagt Extremsportler Michael Kruse selbstbewusst. Das bedeutet, dass sie mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 30 Kilometer pro Stunde unterwegs sein müssen. Eine Pause gibt es für das Team nicht. Ein Sportler muss mindestens immer fahren. Die letzten 40 Kilometer bis zum Zielort Annapolis in der Nähe von Washington müssen alle vier fahren. Das sind selbst für Extremsportler Extremherausforderungen. „Jeder Fahrer stößt dabei an seine physischen, emotionalen und psychischen Grenzen. Das ist uns bewusst“, sagt Kruse.

Dieses Rennen ist für sie nicht nur persönliche Herausforderung, sondern mit der Entscheidung, diese Mannschaft zu bilden, ist es das erste Mal überhaupt, dass ein Team, nur mit Fahrern aus Mecklenburg-Vorpommern, an dieser Großveranstaltung teilnimmt. MV-Welt-Premiere „über den Teich“ sozusagen. Als erstes Team rein aus Mecklenburg-Vorpommern sind sie damit als Botschafter unserer Heimat in den USA unterwegs: zwei Rad-Leistungssportler und zwei Extremsportler.

Das RAAM wird über seine sportliche Bedeutung hinaus schon seit Jahren in den USA dazu genutzt, um Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. Während des RAAM 2010 wurden mehr als 1,7 Millionen US-Dollar durch die Teilnehmer gesammelt, welche Verbänden, Vereinen und Gruppierungen zu Gute kamen. Das Rennen inspiriert jeden, der mit ihm in Berührung kommt – angefangen bei den Rennfahrern bis hin zu den Sponsoren, sagen alle, die jemals dabei waren. Deshalb genießt das Extremrennen eine hohe Aufmerksamkeit und wird in den Fernsehsendern ABC Wide World of Sports, ESPN, Sports Illustrated und anderen Medien dokumentiert. „Deshalb haben auch wir vor, die einzelnen Strecken-Abschnitte symbolisch an Spender zu ,verkaufen‘“, erklärt Kruse.

Das Rennen ist in 54 Abschnitte eingeteilt, mit Längen von 25 bis 90 Meilen also 40 bis 140 Kilometer. „Wir haben vor, den Spendern Abschnitte im Wert von zehn Euro pro Meile zu widmen, der Betrag kann gerne auch höher sein. Sonstige Spenden jeglicher Art sind natürlich darüber hinaus ebenfalls gern gesehen.“

Insgesamt müssen die vier Schweriner nämlich auch 35 000 Euro Kosten decken – für sich und ihr sechsköpfiges Technik-Team. Einige Helfer gibt es schon. So ist das Landesmarketing mit an Bord – und damit die Werbe-Marke „MV tut gut“. Aber auch Sportminister Lorenz Caffier unterstützt die Aktion. Mit Rackwitz und Nimke fahren schließlich auch zwei Polizisten mit.

„Das ist wirklich eine verrückte Idee“, sagt der Schweriner IT-Unternehmer Torsten Hecht. Gerade deshalb unterstütze er die Vier, betont der Geschäftsführer der ComIn GmbH. Das große öffentliche Interesse an den Leistungssportlern um Olympiasieger Stefan Nimke sei „hervorragende überregionale Werbung für Mecklenburg“. Dem sportbegeisterten Unternehmer ist es dabei gar nicht so wichtig, ob die ehrgeizigen Ziele der vier Schweriner erreicht werden können. „Allein das Durchkommen, das Erreichen des Ziels, wäre schon eine Weltklasseleistung“, sagt Hecht. Angesichts der riesigen Medienpräsenz in den USA seien die Vier auf großer Werbefahrt für ihre Heimat. Das müsse er einfach unterstützen. Und er hat enormen Respekt vor dem Vorhaben, das körperliches Leistungsvermögen weit mehr als herausfordere. „Sie werden jede Menge Vaseline für den Hintern brauchen“, sagt Hecht lächelnd.

Damit Räder und Sportler durchhalten, helfen weitere Unternehmen.

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