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Haftgrund weiter unklar : Schweriner Pilger bleibt in Türkei-Haft

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine etwaige Freilassung wird frühestens im Frühjahr erwartet

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Sie hatte so gehofft: Seit einem halben Jahr sitzt der Pilger David B. aus Schwerin in türkischer Haft. Anfang Oktober, so hatte seine Ehefrau erwartet, sollte er freikommen. Am 2. Oktober war die halbjährige Frist verstrichen, in der in der Türkei Menschen ohne Grund in Haft sitzen können. Jetzt macht sich erneut Enttäuschung breit: Tage später sitzt David B. noch immer in Haft. „Der Termin ist verstrichen, wie jeder andere Tag“, erklärt die Ehefrau gestern nach einem Telefongespräch mit ihrem Mann. Derzeit gebe es keine Anzeichen, dass David B. schnell freikommen werde. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass er wohl erst im Frühjahr wiederkommen wird“, sagt sie – fast eineinhalb Jahre nachdem David B. im November 2016 zu einer Pilgertour nach Jerusalem aufgebrochen war. Ihr Mann habe erzählt, dass dieser Termin früher schon einmal angedeutet worden sei.

Damit wird die Familie mit mehreren Pflegekindern offenbar das zweite Jahr in Folge ohne den Familienvater auskommen müssen. David B. war vor elf Monaten aufgebrochen – zu Fuß nach Jerusalem, allein und ohne Geld, auf dem Weg über Polen, Bulgarien und die Türkei. Ostern wollte er an der Klagemauer stehen, hatte seine Frau erklärt. Monate später weiß sie immer noch nicht, wann sie ihn das nächste Mal wiedersehen wird. „Wir können alle nichts machen“, sagt sie gestern: „Man muss das aushalten, dass wir machtlos sind.“ Einmal wöchentlich könnten die beiden telefonieren – immer freitags, für nur wenige Minuten, wenn es David B. nach langem Schlangestehen am Telefon im Gefängnis gelingt, ein Gespräch nach Deutschland herzustellen. Trotz allem gehe es ihm gut, habe er ihr gestern versichert. Er müsse in einem Gefängnis im Osten der Türkei in der Nähe der armenischen Grenze zusammen mit sieben weiteren Männern in einer mit Doppelstockbetten ausgestatteten Acht-Mann-Zelle leben – „und warten“, sagt sein Ehefrau. Ihren Angaben zufolge hätten die türkischen Behörden nach wie vor keinen Grund für die Inhaftierung genannt. Zunächst hieß es, David B. hätte südlich der Stadt Antakya Sperrgebiet betreten. Das habe er aber nicht getan, hätte ihr Mann versichert, hatte seine Ehefrau erklärt.

Der Fall belastet das ohnehin angespannte Verhältnis Deutschlands zur Türkei zusätzlich: Das Auswärtige Amt in Berlin hatte im September erklärt, David B. werde konsularisch betreut. Ihr Mann habe im vergangenen halben Jahr zweimal Besuch von der deutschen Botschaft erhalten, erzählt die Eehefrau. Für Mitte Oktober sei ein weiterer Besuch beantragt worden. Eine Genehmigung stehe noch aus.

Derzeit werden in der Türkei mehrere deutsche Staatsbürger festgehalten, u. a. wegen des Verdachts politischer Straftaten.  

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