Schweriner Kita-Konzept für alle

<strong>Ungewöhnliches Konzept, ungewöhnliche Inneneinrichtung:</strong> Die Kita 'Nidulus' ist auf vielen Gebieten innovativ. Den Eltern scheint es zu gefallen. Die Anfragen nach einem Platz in der 24 Stunden geöffneten Einrichtung reißen nicht ab. Foto: Reinhard Klawitter
Ungewöhnliches Konzept, ungewöhnliche Inneneinrichtung: Die Kita "Nidulus" ist auf vielen Gebieten innovativ. Den Eltern scheint es zu gefallen. Die Anfragen nach einem Platz in der 24 Stunden geöffneten Einrichtung reißen nicht ab. Foto: Reinhard Klawitter

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26. Juli 2012, 09:39 Uhr

Schwerin | Dass die 24-Stunden-Kita "Nidulus" ein Erfolgsmodell ist, das weiß die Kita gGmbH seit der Startphase. Schon vor knapp drei Jahren regnete es Anfragen von TV-Sendern und Journalisten, die unbedingt die Schweriner Einrichtung auf dem Gelände der Helios-Kliniken vorstellen wollten. Jetzt erleben Anke Preuß und Marlis Kahl, Geschäftsführerinnen der Kita gGmbH, gerade eine zweite Welle - noch gewaltiger als die erste. Interesse zeigen aber nicht nur die Medien, sondern auch Städte und Gemeinden. Doch verschenken möchte Anke Preuß ihr hart erarbeitetes Betreuungsmodell nicht. Sie könnte sich stattdessen gut vorstellen, mit ihrer Gesellschaft auch außerhalb Schwerins eine 24-Stunden-Kita zu betreiben. Erste Kontakte wurden geknüpft.

"Leute aus Kassel waren da, Waren-Müritz hat nachgefragt, Stralsund natürlich auch." Und in Berlin war sie in Sachen 24-Stunden-Kita. Anke Preuß muss ein bisschen überlegen, wer sich schon nach Nidulus erkundigt hat. Einige Anfragen waren freundlich, andere ganz schön dreist: "Wir sollten mal schnell unser Konzept rüberfaxen, hat eine Kommune vor wenigen Tagen geschrieben", erinnert sie sich lächelnd. So läuft das natürlich nicht. Zweieinhalb Jahre Planung, ein Jahr Startphase mit wenigen Kindern und Vorkasse, knifflige Kooperationsverträge mit Platzkontingenten - wer all diese Erfahrungen als fertiges Papier zum Nachmachen auf dem Tisch haben möchte, der muss zahlen. "Das erste Info-Ggespräch gibt es noch umsonst", sagt Anke Preuß. "Da halten wir uns aber ziemlich bedeckt. Ansonsten bieten wir unsere Beratung, auch über eine 24-Stunden-Kita, gegen Honorar an oder wir übernehmen eine Einrichtung komplett als Träger." Auch als gemeinnützige Gesellschaft könne die Kita gGmbH so agieren, betont die Geschäftsführerin. "Wir dürfen nur nicht auf Gewinn orientiert sein." Um Gewinn ginge es ihr auch nicht, vielmehr um "Stabilisierung des Unternehmens". Dabei steht die Gesellschaft mit 20 Kitas und Horten sowie rund 260 Mitarbeitern schon jetzt auf soliden Füßen. "Aber je mehr Einrichtungen in einer Hand sind, desto besser kann man z.B. mit Lieferanten über Preise verhandeln." Auch junge Erzieher kämen gerne in ein großes Unternehmen, das Tariflohn zahlt, Entwicklungsmöglichkeiten und unterschiedliche pädagogische Konzepte anbietet. "Gerade kleinere Kommunen, die heute noch selbst ihre Kitas betreiben, unterschätzen oft den Fachkräftebedarf und die Wünsche der jungen Mitarbeiter." Mit einigen umliegenden Gemeinden habe die Kita gGmbH schon über Betreibung oder Übernahme einiger Einrichtungen verhandelt - bislang noch ohne greifbares Ergebnis. Doch Anke Preuß bleibt dran.

Ihren nächsten Coup startet sie erstmal in Schwerin: Eine weitere 24-Stunden-Kita soll entstehen. Bei Nidulus werden nämlich schon 58 statt wie ursprünglich geplant 48 Kinder betreut, immer noch drängen junge Eltern nach, die im Schichtsystem beschäftigt sind. "Einige Helios-Mitarbeiter machen ihre Entscheidung, nach Schwerin zu kommen, davon abhängig, ob sie bei Nidulus einen Platz bekommen", sagt Preuß.

Genau solche Familien sind es auch, die die vielen Nachrichten-Teams jetzt gerne einen Tag lang mit Mikrofonen und Kameras begleiten möchten. Am liebsten inklusive Einschlaf- und Weckszenen in der Kita. Und mit kurzen Interviews der Eltern, der Erzieher, der Geschäftsführerinnen. "In einem Brief haben wir die Nidulus-Eltern für den Trubel um Verständnis gebeten", sagt Anke Preuß. "Aber immerhin war gerade Deutsche Welle TV da - jetzt werden wir sogar weltweit berühmt."


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