Wohlfahrtsverband in der Kritik : Schweriner AWO betreibt Kita auf Mallorca - Wozu?

Mit ihrem Kindergarten auf der spanischen Urlaubsinsel gerät die Arbeiterwohlfahrt in Schwerin unter Druck.

svz.de von
02. Oktober 2018, 18:19 Uhr

Mit einer eigenen Kindertagesstätte auf der spanischen Urlauberinsel Mallorca hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Schwerin für Diskussionen gesorgt. Das Sozialministerium wertete das Projekt als „ungewöhnlich“. Eine Kita auf Mallorca liege nicht im Landesinteresse, hieß es aus dem Ministerium. Der Vorsitzende des AWO-Kreisvorstandes Schwerin-Parchim, Bernd Sievers, betonte, dass für die Einrichtung in Santa Maria bei Palma keine Landesmittel verwendet worden seien.

Das Engagement der AWO gehe auf das EU-Projekt zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa zurück. Etwa 40 junge Spanier hätten in Schwerin eine Pflegeausbildung absolviert, zwei davon seien inzwischen fest bei der AWO angestellt. „Auch in der Kinderbetreuung sind personelle Lücken da, die wir vielleicht auch mit ausländischen Kräften füllen können“, begründete Sievers das Kita-Projekt auf Mallorca, in dem bis zu 28 Kinder in Halb- und Ganztagsplätzen auf deutsch und spanisch betreut werden könnten.

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Die Hoffnung sei, dass mit der Kita in Santa Maria Interessenten für eine Ausbildung und Tätigkeit in Deutschland geworben werden können.

Nach etwa drei Jahren solle geprüft werden, ob sich das Engagement rechne. Das Gebäude selbst habe die AWO vergleichsweise günstig erwerben können, das Areal biete zudem Entwicklungspotenzial, sagte Sievers. Zu weiteren Plänen und zum Kaufpreis äußerte er sich nicht.

Nach NDR-Recherchen hat der AWO-Bundesverband den Landesverband aufgefordert, Angemessenheit und Sinnhaftigkeit der Einrichtung zu untersuchen. Kreisverbände der AWO seien selbstständig und in ihrem unternehmerischen Handeln an Satzung und Statut der AWO gebunden.

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Demnach sei der Betrieb einer Kita im Ausland nicht ausdrücklich ausgeschlossen, hieß es. Das Finanzgebaren in Teilen dieses Wohlfahrtsverbandes steht seit längerem im Fokus. Der Landtag in Schwerin richtete einen Sonderausschuss ein, der die Mittelverwendung und -verteilung im Sozialbereich insgesamt untersuchen soll.

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