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Mecklenburg-Vorpommern

21. September 2017 | 19:49 Uhr

Wirtschaft : Schwerin ist jetzt Kaffeestadt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neubau des modernsten Nestlé-Werkes im Industriepark der Landeshauptstadt in nur einem Jahr realisiert: Jetzt werden Kapseln hergestellt

von
erstellt am 31.Mai.2014 | 08:15 Uhr

Noch vor wenigen Wochen hätte niemand nach einem oberflächlichen Blick auf das Baugeschehen im Industriepark Schwerin geglaubt, dass der Lebensmittelriese Nestlé das ehrgeizige Ziel einhält, dort nach nur einem Jahr Bauphase mit der Produktion von „Dolce Gusto“-Kaffeekapseln zu beginnen. Bei genauerem Hinsehen schwanden aber schnell die Zweifel. Mit nahezu perfekter Organisation der Abläufe, knallharten Verträgen für Subunternehmen, vielen verlässlichen Partnern und jeder Mange Unterstützung durch die öffentliche Hand griff ein Räderwerk ineinander, das schnell ein Gesamtprodukt formte. Während in der einen Halle Ingenieure die hochtechnisierten Maschinen für die Produktionslinien montierten und testeten, deckten Handwerker nebenan noch das Hallendach, unter dem noch nicht einmal eine Bodenplatte gegossen war.

Und doch läuft jetzt die Produktion – selbst wenn immer noch Baukräne am Haus drehen und das Umfeld längst nicht so ist, dass tatsächlich Besucherströme kämen, die die versprochene gläserne Produktion verfolgen wollen. 450 Bauarbeiter und mehr als 100 Nestlé-Mitarbeiter haben letztlich dafür gesorgt, dass die Maschinen pünktlich anliefen.

Doch der Neubau war längst nicht die einzige Hürde auf dem Weg zu Europas modernster Produktionsstätte für Kaffee-Kapseln. Neben den technischen Herausforderungen galt es, das Qualitätsmanagement zu erfüllen. Nestlé hat sich von der Kaffeeröstung bis hin zum Geschmack in zahlreichen Kriterien hohe Maßstäbe auferlegt, die das Schweriner Werk erfüllen muss. Darüber hinaus gab es zahlreiche behördliche Prüfungen, ehe produziert werden konnte, beispielsweise waren lebensmittelrechtliche Freigaben notwendig. Dazu gehörte beispielsweise auch eine unabhängige Überprüfung des abgefüllten Milchpulvers, das z.B. für die Herstellung von Nescafé Dolce Gusto Cappuccino benötigt wird. Und das dauerte. Denn im Labor müssen Proben erst angesetzt werden, ehe es verlässliche Tests geben kann.

Und dann musste noch Personal gefunden und geschult werden: Nachdem Nestlé erstmals im März 2012 den Werksneubau öffentlich vorgestellt hatte, gab es hinter den Kulissen nicht nur die Vorbereitung des Hochbaus und der künftigen Produktionsabläufe. Frühzeitig bereitete ein Team aus Nestlé, Arbeitsagentur und Personaldienstleister Randstad das so genannte Personalrekruting vor. Schließlich sollen am Ende einmal 450 Beschäftigte in den Göhrener Tannen arbeiten. Anfang 2013 starteten die ersten Mitarbeitergespräche. Zuerst ging es dabei um das Inbetriebnahme-Team. Waren es dafür vor allem hochqualifizierte Mitarbeiter, die erfahren in SAP waren und Englisch können, konzentrierte sich die Anwerbung von Mitarbeitern seit Herbst 2013 auf lernwillige Bewerber. Das war wichtiger als die berufliche Qualifikation. „Potenzial und Motivation sind uns wichtiger, als dass der Kandidat gleich von Anfang an alle Anforderungen erfüllen kann“, bringt es Personalerin Birte Harder auf den Punkt.

In einem Pilotprojekt holten Nestlé und Arbeitsagentur das Schweriner Ausbildungszentrum als Partner mit ins Boot. Die Idee: Schon im Vorfeld des Einstiegs bei Nestlé sollten die neuen Kollegen das wichtigste Rüstzeug für den Einstieg beim Lebensmittelriesen erhalten. Keine leichte Aufgabe, wie SAZ-Geschäftsführer Gerd Poloski zugibt. „Wir konnten von den Produktionslinien in Schwerin ja nichts abschauen. Es gab ja noch keine.“ Doch das Vorhaben gelang – auch mit viel Improvisationstalent. Bezahlt hat das alles der Steuerzahler.

Für Arbeitsagentur-Chef Heyden ist das Pilotprojekt aber ein voller Erfolg. 3400 Euro hat die Behörde pro Mitarbeiter im Pilotprojekt für die Qualifizierung gezahlt. Weitere Projekte folgen, ebenso Neueinstellungen. Zum Produktionsstart auf zwei Linien vor einer Woche arbeiteten 120 Beschäftigte bei Nestlé Schwerin.

Stolze 600 Kapseln pro Anlage und Minute werden perspektivisch produziert – vom angelieferten Rohkaffee bis zum fertigen Produkt. Derzeit sechs bis acht verschiedene Sorten können auf zwei Produktionslinien hergestellt werden – auch für den Export nach Skandinavien und Osteuropa. Schrittweise will Nestlé die Produktion erweitern. Zum Jahresende sollen 200 Beschäftigte den Produktionsablauf – in der Spitze im Rund-um-die-Uhr-Betrieb – garantieren. Künftig sind zwölf Produktionslinien mit 450 Mitarbeitern geplant. Zwei Milliarden Kaffeekapseln sollen das Werk pro Jahr verlassen.

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