Terror in MV : Schwerin im Visier der NSU-Terroristen

Beweise: Handschriftliche Notizen auf Stadtplan. Helfer aus der rechten Szene?

svz.de von
27. November 2015, 06:00 Uhr

Die rechtsterroristische Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) war in Mecklenburg-Vorpommern offensichtlich aktiver als bislang bekannt. Das belegen Dokumente, die in dieser Woche beim NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in München eine Rolle spielten. So präsentierten zwei Polizeibeamte während der Verhandlung am Dienstag Stadtpläne aus dem Besitz des NSU unter anderem für Rostock, Greifswald, Schwerin und Wismar. Auf diesen Karten hatte das mutmaßliche Terror-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe handschriftlich Adressen und Ausspähnotizen über politische und ausländische Einrichtungen sowie über Geldinstitute vermerkt. Vermutlich hatte der NSU in diesen Städten nach Zielen gesucht.

„Das wirft erneut die Frage auf, ob es auch in Mecklenburg-Vorpommern Kontaktpersonen und Hinweisgeber aus der rechtsextremen Szene gab, die den NSU bei seiner Mordserie aktiv unterstützt haben“, sagte gestern Julian Barlen, Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus der SPD-Landtagsfraktion, gegenüber unserer Redaktion.

Die Stadtpläne gehören zu den Asservaten aus der abgebrannten Zwickauer Wohnung der Gruppe. Sie wurden zum Teil mit modernen Methoden aufwendig restauriert. Bereits Ende Oktober wurden im Prozess ähnliche Stadtpläne mit Notizen unter anderem für Stralsund präsentiert. In der Hansestadt hatte der NSU am 7. November 2006 und am 18. Januar 2007 eine Filiale der Sparkasse Vorpommern überfallen und insgesamt 254    000 Euro erbeutet. Außerdem hat die Gruppe am 25. Februar 2004 im Döner-Imbiss „Mister-Kebap-Grill“ in Rostock-Dierkow den 26-jährigen türkischen Staatsbürger Mehmet Turgut mit vier Schüssen ermordet. „Es wäre unplausibel, wenn nicht ein Netzwerk von Hinweisgebern und Helfern hinter dem NSU stand“, so Barlen.

Laut Innenministerium konnten trotz umfangreicher Ermittlungen keine direkten Verbindungen des NSU zu Personen in Mecklenburg-Vorpommern festgestellt werden. Das Ministerium hatte die Fraktionen im Landtag vor Monaten zwar über den Fund von Kartenmaterial in der NSU-Wohnung informiert, aber dazu keine Einzelheiten genannt.

Im Prozess in München muss sich die Hauptangeklagte Zschäpe für die Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten. Die beiden anderen NSU-Mitglieder, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard, wurden nach einem Banküberfall in Eisenach im November 2011 tot in einem Wohnmobil gefunden. Am Mittwoch wurde im Bundestag bereits der zweite Untersuchungsausschuss zu den NSU-Morden gebildet.

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