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Aus dem Gerichtssaal : Schwerin: Drama hinter dem Betrug

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Großer Streit zwischen Vater und Sohn

von
erstellt am 30.Mär.2017 | 07:45 Uhr

Wegen Steuerhinterziehung hat das Amtsgericht Schwerin einen 73 Jahre alten Unternehmer zu einer Geldstrafe von 7200 Euro verurteilt. Wenn er das Geld zahlt, hat der Angeklagte ein juristisches Problem vom Tisch. Er hat aber nicht das familiäre Drama beendet, von dem im Gerichtssaal gestern einige wenige Szenen aufgeführt wurden. Sie machten die Abgründe deutlich, die den Angeklagten von seinem Sohn trennen.
Jens-Peter K. (Name geändert) war angeklagt, vor einigen Jahren zweimal die Umsatzsteuer für Firmen seines Sohnes nicht gezahlt zu haben. Rund 50000 Euro seien zu wenig ans Finanzamt überwiesen worden, so der Staatsanwalt. Er habe so viel für seinen Sohn getan, ihm stets geholfen und unterstützt, reklamierte K., aber um jene Steuererklärungen abzugeben, habe er keine Vollmacht seines Sohnes mehr gehabt. Als der Richter ihn darauf hinwies, dass er doch in vielen anderen Dingen im Namen seines Sohnes beim Finanzamt vorstellig wurde, hörte K. gar nicht richtig zu. Er erzählte von 1500 Euro, die er über Jahre dem Sohn monatlich habe zukommen lassen. Auch zwei Eigentumswohnungen habe er ihm geschenkt. Immer noch würde er dem längst erwachsenen Sohn helfen, wenn der ihn doch nur ließe.

Jens-Peter K. ist ein umtriebiger Mann. Er entwickelt Projekte, besonders Immobilien. Als er aus Westdeutschland in den 1990er Jahren in eine Kleinstadt in Ostseenähe kam, hat er das eine oder andere einst noble Gebäude in der Region für Beherber-gungszwecke herausputzen lassen. Er hat sich um den Branchenverband und den Nachwuchs für diese Branche gekümmert. Nur beim eigenen Nachwuchs muss irgendwann etwas sehr schiefgelaufen sein. K., der ohne Verteidiger erschienen war, redete sich in Rage und erzählte immer mehr Details zu den angeblichen Geschäftbeziehungen seines Sohnes.

Beim Richter wuchs allerdings der Verdacht, K. sei nicht nur ab und an für den Sohn tätig gewesen, sondern er habe den Sohn nur als Strohmann für eigene Geschäfte benutzt. Wenn er das vertiefen würde, liefe er ins offene Messer, warnte der Richter den Angeklagten.

Als K.´s Sohn als Zeuge in den Gerichtssaal kam, würdigte er den Vater keines Blickes. Vom Selbstbewusstsein des Angeklagten war bei dem hageren Mann, der sich immerzu ängstlich wegzuducken schien, keine Spur. Vorsichtig antwortete er auf die Fragen des Richters. Dann aber platzte es aus ihm heraus: „Du lügst, wenn du den Mund aufmachst“, fuhr er den Vater an. Nichts habe er in „seinen“ Firmen zu verantworten gehabt, berichtete er dem Gericht.

„Fantasievoll“ habe der Vater immer wieder des Sohnes Unterschrift gefälscht. Als er vor Jahren sich vom Vater und dessen Geschäften lossagen wollte, habe der Vater ihn „massiv psychisch unter Druck gesetzt“.

Der Richter gab dem Angeklagten eine Denkpause, auch damit er sich klar werde, ob er weitere Szenen des Familiendramas vor Gericht aufgeführt sehen wollte. Nach der Pause gestand Jens-Peter K. die Anklage ein. Wenige Minuten später war das Urteil gesprochen.

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