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Keine Fahrradstadt : Schwerin bremst Radwege-Bau aus

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In der Altstadt treten Fahrradfahrer gegen holpriges Kopfsteinpflaster an, auf der Plater Straße gegen den Autoverkehr. Das Finanzvolumen des Radverkehrskonzepts 2020 werde wiederholt nicht ausgeschöpft.

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erstellt am 04.Jan.2012 | 06:35 Uhr

Schwerin | In der Altstadt treten Fahrradfahrer gegen holpriges Kopfsteinpflaster an, auf der Plater Straße nach Consrade gegen vorbeifahrenden Autoverkehr. Schwerin ist keine Fahrradstadt - auch weil jeder Einwohner nur zehn Prozent seiner anfallenden Wege mit dem Fahrrad zurücklegt. In Greifswald seien es etwa 35 Prozent, wie eine statistische Erhebung belegt. Dennoch will die Stadtverwaltung die Verkehrssituation für die Fahrradfahrer weiter ebnen, die Unfallgefahren mindern. Doch nach derzeitigem Stand bleiben der Verwaltung zufolge Ausbau- und Investitionspläne in Höhe von etwa 750 000 Euro auch im laufenden Jahr in der Schublade von Dr. Bernd-Rolf Smerdka liegen. Damit würde der Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement das Finanzvolumen des im Jahr 2009 beschlossenen Radverkehrskonzepts 2020 wiederholt nicht ausschöpfen.

Nur am Westufer des Ziegelaußensees zwischen Möwenburgstraße und Wickendorfer Straße rücken im Frühjahr wohl die Bagger an. Es bleibt bislang die "einzige neue Maßnahme" in Sachen Radwegeausbau, wie es am Dienstag aus der Verwaltung hieß. Der Radfernweg Hamburg-Rügen wird zu mehr als 75 Prozent aus Fördertöpfen finanziert. So werden viele weitere Pläne vorerst vermutlich als Papiertiger weiter in der Schublade schlummern, wie sich heute auch bereits bei der ersten Bauausschusssitzung des Jahres abzeichnen könnte. Dort stellt die Fraktion Unabhängige Bürger (UB) den geplanten Radweg entlang der Plater Straße zwischen Schwerin und Consrade wieder zur Diskussion. Für den Bau des 1,4 Kilometer langen Lückenschlusses zwischen Neu Zippendorf und Consrade müssten in Schwerins größ tem zusammenhängenden Waldstück allerdings unnötig Bäume fallen, wie die Fraktion befürchtet. Alternativ schlägt sie einen kostengünstigeren Radweg zwischen Consrade und der Hamburger Allee im Mueßer Holz vor. Der Baubeginn für den mehr als 250 000 Euro kostenden Weg entlang der Plater Straße liegt also weiterhin im Ungewissen.

So gut wie sicher ist dagegen, dass Radfahrer den sanierten Marienplatz nach Fertigstellung befahren dürfen, sich allerdings den Fußgängern unterordnen müssen. Das erklärte Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff während einer Sitzung des Fahrradforums. Auf der Wittenburger Straße zwischen Lübecker Straße und Eisenbahnbrücke rollen Pedalritter bereits auf einem neuen Radweg. Die Strecke bis zum Marienplatz soll im laufenden Jahr saniert werden. Der Lieferverkehr muss nach Fertigstellung voraussichtlich in die Lübecker Straße und in die Reiferbahn ausweichen, damit sich Radfahrer und Fußgänger ungehindert bewegen können. Ursprünglich wollte die Stadtverwaltung das mehr als 140 Kilometer lange Radwegenetz in der Landeshauptstadt im laufenden Jahr mit weiteren Maßnahmen verbessern und erweitern. Gemeinsam mit der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) sitzen die Verantwortlichen der Stadt regelmäßig an einem Tisch. Ganz oben auf der Tagesordnung der kommenden Sitzungen in 2012 steht unter anderen das Thema Radfahrstreifen auf Pflasterstraßen.

Eine Lösung scheint sich für den für Radfahrer bislang umständlichen Platz der Jugend abzuzeichnen. Damit das Überqueren der Kreuzung von der Goethestraße in die Johannes-Stelling-Straße leichter wird, soll ein 30 Meter langer Weg durch eine Grünfläche und über die Ampelkreuzung Abhilfe schaffen. Auch die Ampel soll künftig auf Radfahrer eingestellt werden. Weil diese Lösung allerdings aufwändig ist, bleibt sie vorerst wohl auch ein Papiertiger. Wann sie umgesetzt wird, ist offen. Auch für den Bau eines Radweges zwischen Warnitz und Herren Steinfeld gibt es noch keinen Zeitplan. Baurecht, Finanzierung und Grundstückskauf sind weiterhin ungeklärt.

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