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Frank Walter Steinmeier : Schwerin begrüßt den Präsidenten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatskanzlei, Damenboutique und Rathaus – Bundespräsident Frank Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch in Mecklenburg-Vorpommern

von
erstellt am 18.Jul.2017 | 20:55 Uhr

Doris Behrendt, Inhaberin der Boutique „Pretty Women“ in der Schweriner Innenstadt, verschlug es heute Mittag glatt die Sprache. Plötzlich standen Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (beide SPD) sowie die halbe Protokoll-Mannschaft in ihrem Laden in der Puschkinstraße. „Hier kauft man gut ein “, erklärte die Regierungschefin dem Bundespräsidenten. Der antwortete mit: „Ja, schön.“ Männer wirken in Damenboutiquen manchmal ungelenk. Steinmeier machte da heute keine Ausnahme.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat Mecklenburg-Vorpommern Besuch von einem Bundespräsidenten. Für Joachim Gauck war es im März der Abschieds-, für Frank-Walter Steinmeier der Antrittsbesuch.

Die Atmosphäre während des gestrigen Besuches war locker und entspannt. Manuela Schwesig machte gemeinsam Selfis mit einigen der etwa 300 Schaulustigen vor der Staatskanzlei und Steinmeier schüttelte viele Hände.

Die Eskorte mit dem Bundespräsidenten und seiner Gattin Elke Büdenbender war zuvor mit 20 Minuten Verspätung eingetroffen. Nach dem Empfang durch die Ministerpräsidentin auf dem roten Teppich, der einmal für den Antrittsbesuch von Steinmeiers Vorgänger Joachim Gauck angeschafft worden war, nahm der Bundespräsident an der Kabinettsrunde teil. „Wir informierten ihn über die Schwerpunktthemen in unseren Ressorts, er sprach zum Thema berufliche Bildung“, sagte Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) nach der Runde unserer Redaktion.

Steinmeier und Schwesig kennen sich gut. Er hatte als Kanzlerkandidat im Bundestagswahlkampf 2009 die damals relativ unbekannte Schweriner Landessozialministerin überraschend in sein Schattenkabinett als mögliche Familienministerin geholt. Die SPD verlor die Wahl zwar, aber vier Jahre später wurde Manuela Schwesig dennoch Bundesfamilienministerin in der großen Koalition von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Steinmeier Außenminister. „Gute Verbindungen zum Bundespräsidenten können enorm wichtig fürs Land sein“, meinte Brodkorb.

Manuela Schwesig sagte nach der Kabinettsrunde: „Es ist uns wichtig gewesen, dem Bundespräsidenten zu zeigen, wo wir mit unserem Land hin wollen.“ Mecklenburg-Vorpommern soll ein Land zum Leben und zum Arbeiten sein und deshalb seien gut bezahlte Industriearbeitsplätze ein Ziel.

Von der Staatskanzlei ging es zu Fuß zum Schweriner Rathaus, wo Bürgermeister Rico Badenschier (SPD)und der Schweriner Kinder- und Jugendrat auf eine Gesprächsrunde mit dem deutschen Staatsoberhaupt warteten. Steinmeiers Forderung: „Wir müssen uns wieder stärker selbst um Demokratie kümmern.“ Die Mitglieder des Kinder- und Jugendrates berichteten darüber, wie sie einen Antrag in die Schweriner Stadtvertretung einbringen und durchsetzen konnten. Dabei ging es um längere Öffnungszeiten für öffentliche Toiletten in der Stadt. „Etwas politisch umsetzen zu können, das ist ein schönes Gefühl“, sagte die Schülerin Sophie Tieding im Gespräch. Andere berichteten vom politischen Desinteresse von Mitschülern und Lehrern.

„Wer sich engagiert und sich nicht einengen lässt, kann auch was bewirken“, sagte Steinmeier. Er sei zur Politik gekommen, als er sich als Jugendlicher mit Gleichaltrigen für einen Jugendtreff in seinem Heimatdorf einsetzte. „Und der Treff steht noch heute“, berichtete der Bundespräsident. Demokratie lebe davon, dass Menschen selbst etwas ändern.

Mecklenburg-Vorpommern ist das sechste Bundesland, dem Steinmeier seit Amtsantritt im März seine offizielle Aufwartung macht. Nach dem Gespräch im Rathaus traf er sich mit Landtagsabgeordneten zum Mittagessen im Schlossgarten.

Die Opposition war allerdings nicht eingeladen. „Es ist unverständlich, dass das Bundespräsidialamt und die Staatskanzlei nicht auf die Idee gekommen sind, die Opposition in den Besuch einzubinden“, beschwerte sich der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Matthias Manthei.

 

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