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VIDEO: Tief „Axel“ und seine Folgen : Schwere Sturmflut-Schäden an MVs Küsten

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Es war die schwerste Ostsee-Sturmflut seit 2006: Bis zu 1,80 Meter höhere Wasserstände verursachten vor allem auf den Inseln große Schäden. Das Wasser zieht sich nur langsam zurück, jetzt beginnt das große Aufräumen.

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2017 | 13:12 Uhr

Die schwere Ostsee-Sturmflut mit Spitzenwasserständen von 1,80 Meter über Normal hat an den Küsten von Mecklenburg-Vorpommern gezehrt und teilweise sehr große Schäden verursacht. Besonders betroffen sind einer ersten Einschätzung zufolge vor allem die Inseln Usedom und Rügen mit Steilküstenabbrüchen und Dünenabtragungen, während die Ostseestädte trotz hoher Wasserstände offenbar glimpflich davon gekommen sind. Umweltminister Till Backhaus (SPD) wollte sich am Nachmittag auf Usedom ein Bild von der Lage machen.

Noch kann der Umfang der Schäden nicht umfassend abgeschätzt werden. Mit einem Flugzeug soll deshalb am Freitag die gesamte Küste von Usedom bis zur Grenze nach Schleswig-Holstein abgeflogen und per Laserscan der Küstenverlauf dokumentiert werden.

Am Strand von Binz und Prora sei die Düne streckenweise in einer Tiefe von drei bis acht Metern abgebrochen, Strandaufgänge seien im größeren Umfang zerstört worden, sagte der Binzer Bürgermeister Karsten Schneider am Donnerstag nach einer ersten Schadensbesichtigung. Baumstämme und Treibgut - möglicherweise aus Schweden - seien am Strand angespült worden.

Auf Usedom hat die Sturmflut vor allem zwischen Zempin und Koserow größeren Steilküstenabbrüche und Dünenabtragungen verursacht. „Wir haben vier bis 5 Meter Düne verloren“, sagte der Koserower Bürgermeister René König bei NDR 1 Radio MV. Auch an der Seebrücke in Koserow habe es enorme Schäden gegeben. Nach Angaben des Kreises Vorpommern-Greifswald ist dort ein Stück der Promenade auf dem Steilufer zerstört. Auch eine Imbissbude wurde zerstört. Strandabgänge müssten gesperrt werden.

Schäden gab es auch an der Seebrücke Ahlbeck, wie Bürgermeister Lars Petersen (CDU) sagte. Dennoch seien die Kaiserbäder im Vergleich zu Zempin glimpflich davon gekommen.

 

Das Abfliegen der Küste soll einen Vergleich mit früheren Messungen ermöglichen, um Dünenrückgänge, Steiluferabbrüche und Strandabspülungen durch die Sturmflut zu beurteilen, erläuterte eine Ministeriumssprecherin. Die Messungen würden zeigen, wo akuter Handlungsbedarf bestehe und zeitnah Aufspülungen durchgeführt werden müssten.

Der Binzer Bürgermeister Schneider schätzte den Schaden allein in seinem Abschnitt auf etwa eine halbe Million Euro. Die Schäden seien mit eigener Technik nicht bis zum Saisonbeginn zu beseitigen. Er appellierte an das Land, den betroffenen Kommunen zu helfen. „Die Schäden sind extrem.“

In Wismar wurden mit einem Pegelstand von 1,83 Meter über Normal die höchsten Wasserstände während der Sturmflut gemessen. Dennoch hat das Hochwasser in der Hansestadt nach Einschätzung von Hafenkapitän Harald Forst nur geringe Schäden verursacht. Zahlreiche Straßen in Hafennähe standen unter Wasser, an manchen Stellen bis zu einem halben Meter. Sie waren aber vorsorglich gesperrt worden. Vereinzelt seien Autos vollgelaufen, deren Besitzer sie nicht aus der Gefahrenzone gebracht hatten. In einigen Häusern sei Wasser in die Keller eingedrungen.

Am Strand von Schwarzer Busch und Timmendorf an der Nordwestküste der Insel Poel vor Wismar sei viel Sand abgetragen worden. „Dort ist zum Teil nur noch der steinige Untergrund da“, berichtet Bürgermeisterin Gabriele Richter. Dafür sei an der Nordmole, wo es sonst häufig Abtragungen gebe, Sand angeschwemmt worden.

Auch der Ferienort Graal-Müritz auf dem Darß meldete keine nennenswerten Schäden. Die Dünen hätten ihre Schutzfunktion erfüllt, sagte Bürgermeister Frank Giese. Es habe allerdings Abtragungen mit Abbruchkanten bis vier Meter Höhe gegeben. Mehrere Strandaufgänge müssten neu angelegt werden. An der Seebrücke seien einige Planken weggerissen worden.

In Rostock wurden nach einer ersten Einschätzung der Behörden keine größeren Schäden durch die Sturmflut verzeichnet. Ein Keller-Restaurant in Warnemünde, das direkt am Strom liegt, sei aber voll Wasser gelaufen, sagte ein Stadtsprecher am Donnerstag. In einem Restaurant in der Altstadt sei Wasser in den Keller eingedrungen.

Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist die Sturmflut von den Wasserständen vergleichbar mit der vom 1. November 2006. So wurden in Wismar Wasserstände von 1,83 Meter über Normal (2006: 1,82 Meter), in Warnemünde von 1,60 Meter über Normal (2006: 1,62 Meter) und Koserow 1,55 Meter über Normal ((2006: 1,54 Meter) gemessen. Allerdings habe sich bei der aktuellen Sturmflut nach dem Erreichen der Maximalpegel in der Nacht zum Donnerstag das Wasser im Vergleich zu früheren Sturmfluten  nur langsam zurückgezogen, sagte BSH-Mitarbeiterin Ines Perlet. Noch am Donnerstagmittag wurden vielerorts Wasserstände von etwa einem Meter über Normal gemessen.  

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