Sinkende Arbeitslosigkeit : Schwerbehinderte profitieren nicht

svz.de von
22. Juli 2014, 12:00 Uhr

Von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt in MV bleiben Schwerbehinderte weitgehend ausgeschlossen. Laut Bundesarbeitsagentur waren im Juni im Nordosten 5031 Menschen mit schweren Behinderungen ohne Beschäftigung. Das waren 4,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen im Land hingegen ging binnen Jahresfrist um 3,9 Prozent auf 87 370 zurück.

Trotz gesetzlicher Vorgaben und staatlicher Hilfen würden noch immer zu wenig Firmen Behinderte einstellen, beklagte die Ministerin für Arbeit und Soziales, Birgit Hesse (SPD).

Am Freitag hatte Hesse die Firma Hadrian in Wolgast besucht. Beim Metall- und Kunststoffverarbeiter wurden die Belange Behinderter schon bei der Planung der Betriebshalle mit einbezogen. Hesse rief die Wirtschaft auf, dem Beispiel zu folgen und verwies auf den Ratgeber „Mecklenburg-Vorpommern: Schwerbehinderte Menschen im Betrieb - Leistungen und Hilfen“, der in Arbeitsagenturen, Integrationsämtern und übers Internet verfügbar sei.

Wie die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann, sagte, wird darin auch über Fördermöglichkeiten informiert. Um ihren Fachkräftebedarf zu sichern, sollten Firmen das Potenzial behinderter Arbeitnehmer viel stärker nutzen. Drei Viertel der arbeitslosen Schwerbehinderten hätten eine abgeschlossene Ausbildung, 308 einen Studienabschluss. Doch konnte auch eine Sonderförderung von bis zu 10 000 Euro je Platz im Rahmen der bundesweiten „Initiative Inklusion“ nicht verhindern, dass die Zahl der Behinderten ohne Job im Nordosten wieder stieg.

Laut Gesetz sind Firmen ab 20 Beschäftigten verpflichtet, fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Demzufolge, müssten knapp 2700 Firmen in MV rund 9500 Schwerbehinderte beschäftigen. Ein Drittel dieser Pflichtarbeitsplätze ist aber unbesetzt.

Diese Unternehmen ziehen es meist vor, die geforderte Strafabgabe zu zahlen. Im öffentlichen Dienst sind gut 100 von 4000 Pflichtstellen für Behinderte nicht besetzt. Doch gibt es Bereiche mit überproportionalem Anteil behinderter Mitarbeiter, so dass eine Quote von 7,2 Prozent erreicht wird. In der Wirtschaft liegt sie bei 4 Prozent. Die Daten basieren laut Arbeitsagentur auf den letzten Erhebungen aus dem Jahr 2012.

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