zur Navigation springen

Universitätsmedizin Greifswald : Schwer angeschlagener Leuchtturm

vom
Aus der Onlineredaktion

Universitätsmedizin Greifswald rutscht tief in die roten Zahlen und die Regierung soll schuld sein

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Die Finanzlage der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) ist schon prekär genug: auf rund 27,8 Millionen Euro summierten sich die Verluste für 2014 und 2015. Doch es könnte in den kommenden zwei Jahren noch viel schlimmer kommen. Für die schwer angeschlagene Einrichtung präsentierte der Linke-Abgeordnete Torsten Koplin gestern im Landtag eine Schockdiagnose: Er bezifferte den bis 2019 drohenden Gesamtverlust auf rund 95 Millionen Euro. „Die UMG ist zum Sanierungsfall geworden“, sagte Koplin.

Und aus Sicht des Linken-Politikers gehen die Millionen-Verluste in politischer Hinsicht maßgeblich auf das Konto der Landesregierung. Koplin warf der Regierung „massives Aufsichtsversagen“ vor. Immerhin sei sie mit drei Vertretern im neunköpfigen Aufsichtsrat vertreten. Auf die bedrohliche finanzielle Entwicklung habe die Regierung aber viel zu spät reagiert und in konzeptioneller Hinsicht völlig versagt. „Auf die Liste der Fehlleistungen gehört auch eine chaotische Personalpolitik“, schoss Koplin einen weiteren Giftpfeil ab.

Mit seiner Analyse löste der Oppositionspolitiker eine kontroverse Debatte aus. Die zuständige Wissenschaftsministerin Birgit Hesse (SPD) bezeichnete die genannten Gesamtverluste als „Mondzahlen“ und kritisierte den Linken-Politiker dafür, Horrorszenarien zu entwerfen.

Die Finanzprobleme in Greifswald entstanden laut Hesse 2010/2011 mit dem Umzug in das neue Klinikgebäude und die Fusion von Uniklinik und medizinischer Fakultät. „Überforderung und mangelnde Transparenz in dieser Phase führten dazu, dass sich defizitäre Strukturen entwickelten“, erklärte sie. Außerdem seien die Erlöse positiver dargestellt worden und daraufhin zu hohe eigene Investitionen ausgelöst worden. Der Personalaufbau sei finanziell nicht gedeckt gewesen. Es seien inzwischen aber personelle und strukturelle Maßnahmen ergriffen worden, die bereits zur Konsolidierung der Universitätsmedizin beitrü- gen.

Auch die Uniklinik selbst vermeldete fast zeitgleich zur Debatte im Landtag gestern in einer Pressemitteilung „erste nennenswerte Erfolge“ beim Abbau des Millionendefizits. Zwar wird für 2016 erneut mit Verlusten gerechnet – für die das Land gerade stehen muss – doch es konnten im vergangenen Jahr immerhin 2,6 Millionen eingespart werden, wie der kaufmännische Vorstand Marie le Claire mitteilte. Für dieses Jahr seien Einsparungen in Höhe von 4,5 Millionen Euro geplant. Es gibt Hoffnung – aber über den Berg ist der Patient UMG noch nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen