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Erstes Picknick-Pferde-Sinfoniekonzert in Redefin : Schweißtreibende Weltreise

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Kurz nach der Ankunft in Afrika begann der Regen - und keiner bekam es mit. Zu fesselnd war der Trommelwirbel, den der Österreicher Martin Grubinger und das Percussive Planet Ensemble zur Begrüßung der Gäste schlugen.

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erstellt am 28.Jul.2013 | 05:53 Uhr

Redefin | Kurz nach der Ankunft in Afrika begann der Regen - und keiner bekam es mit. Zu fesselnd war der Trommelwirbel, den der Österreicher Martin Grubinger und das Percussive Planet Ensemble zur Begrüßung der Gäste auf diesem Kontinent schlugen.

Der Ausnahme-Schlagzeuger und seine Mitstreiter Sabine Pyrker, Slavik Stakhov, Rainer Furthner, Leonard Schmidinger und Martin Grubinger senior hatten am Sonnabend beim ersten Picknick-Pferde-Sinfoniekonzert der diesjährigen Festspielsaison in Redefin zu einer außergewöhnlichen musikalischen Weltreise eingeladen. Vor vier Jahren hatte der heute 30-jährige Grubinger, der bereits bei der Eröffnung der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern im Juni in Neubrandenburg das Publikum begeisterte, den Konzertmarathon "The Percussive Planet" entwickelt: Die vierstündige musikalische Reise, bei der ausschließlich Percussion-Instrumente - also Schlaginstrumente von der klassischen Pauke über Trommeln, Becken bis hin zu Congas, Bongos, Marimbaphon und Klangstäben - zum Einsatz kommen, besteht aus einzelnen Kompositionen, die jeweils einen Kontinent repräsentieren.

Das Gesamtwerk, so Grubinger, "soll das Schlagzeug in seiner Einzigartigkeit und Vielseitigkeit darstellen, als ein Instrument, das in so vielen Musikstilen, Musiktraditionen und Kulturen eine wichtige und unabkömmliche Rolle spielt". Zugleich sieht der Multipercussionist sich mit diesem Projekt auch als Botschafter multikulturellen Denkens. Am Sonnabend in Redefin machte das Ensemble allerdings "nur" auf drei Kontinenten Halt: Asien, Südamerika und Afrika - mehr wäre den sechs mit vollem Körpereinsatz agierenden Musikern in der Gluthitze Mitteleuropas wohl auch nicht zuzumuten gewesen.

Auch eine Reihe der 2500 Zuhörer brachte die Hitze am Sonnabend an ihre Grenzen, einzelne mussten sogar medizinisch versorgt werden. Statt der zentralen Plätze auf der Picknickwiese waren die entferntesten Ecken unter schattenspendenden Bäumen gefragt. Der Spaß, mit dem das Posaunenwerk MV unter der Leitung von Martin Huss aufspielte, blieb so leider manchem verborgen. Dabei hatten die jungen Leute sogar eine besondere Überraschung für den scheidenden Festspiel-Intendanten Dr. Mathias von Hülsen vorbereitet: Eine Variation von "Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp".

Bei der Pferdeshow, die Geschäftsführerin Antje Kerber und die Mitarbeiter des Landgestüts in gewohnt hoher Qualität präsentierten, stand das Publikum nicht so dicht gedrängt um den Reitplatz wie in anderen Jahren. Und kurz vor Beginn des Konzertes in der Reithalle goss sich mancher sogar schnell einen Schluck Mineralwasser über den Kopf.

Dass lateinamerikanische Rhythmen und afrikanische Trommeln durch die offenstehenden Türen immer wieder von Pferdewiehern begleitet wurden, störte keinen der Konzertgäste. Eher schon fühlten sich einige durch das andauernde Fächern und zischende Mineralwasserflaschen ihrer Nachbarn gestört - was ansonsten in Konzerten tatsächlich ein Unding ist, war am Sonnabend für manchen lebensrettend.

Der kurz vor der Pause einsetzende leise Regen machte die Luft in der Halle dann zumindest für den zweiten Höhepunkt des Konzertes erträglicher: Carl Orffs stimmgewaltiges Chorwerk "Carmina Burana", vorgetragen vom Schleswig-Holstein Festival Chor und den Limburger Domsingknaben unter der Leitung von Rolf Beck. In den Solopartien begeisterten die Sopranistin Julia Tomina, der Tenor Benjamin Bruns und der Bariton Dominik Köninger. Als musikalische Begleitung sorgten das Percussive Planet Ensemble und das türkische Klavierduo Ferhan und Ferzan Önder - letztere übrigens ist Martin Grubingers Ehefrau - für überraschende Klangeffekte. Das Publikum bedankte sich mit Bravorufen und lang anhaltendem Beifall - von Hitzeerschöpfung war plötzlich keine Spur mehr.

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