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Mecklenburg-Vorpommern

18. August 2017 | 07:04 Uhr

Schweinswale in Not

vom

Stralsund | In den vergangenen zwei Wochen sind an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ungewöhnlich viele tote Schweinswale entdeckt worden. Zwischen Warnemünde und Rügen zählten Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums zwölf Kadaver. "Diese Häufung ist außergewöhnlich", sagte der Walforscher Stefan Bräger gestern. Die Ursachen ließen sich aufgrund der starken Verwesung der Tiere nicht mehr genau ermitteln. Die Forscher vermuten biologische Ursachen, schlossen aber auch nicht aus, dass der Bau des Windparks vor dem Darß zu der Häufung beigetragen haben könnte.

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) hält einen solchen Zusammenhang für unwahrscheinlich. Nach Auskunft von Amtsleiter Eckhardt Wedewardt wurden die Rammarbeiten für die 21 Windanlagen bereits Ende Juni abgeschlossen. Zudem habe das Amt Auflagen erteilt, um die Belastung für die Tiere so gering wie möglich zu halten.

Schon immer gibt es zwischen Juli und September eine Zunahme von Funden toter Schweinswale. "Wenn die Muttertiere zwischen Mai und Juni kalben, sind nicht nur sie geschwächt. Auch die Kälber und die gerade vom Muttertier entwöhnten Jährlinge sind anfällig", sagte der Walforscher Bräger. Als weitere Ursache für den Tod von Schweinswalen gilt seit Jahren die Fischerei. Rund 47 Prozent der Tiere, bei denen die Todesursache feststellbar war, wiesen Netzmarken auf - Zeichen dafür, dass die Meeressäuger in Netzen verenden. Seit Jahren warnen die Wissenschaftler zudem vor dem Baulärm bei Offshore-Projekten. Die Schweinswale orientieren sich per Echoortung und sterben,wenn sie taub werden. Die Forscher fordern deshalb bei Bauarbeiten den unbedingten Einsatz von Blasenschleiern, bei dem ein aufsteigender Luftbläschenvorhang um die Lärmquelle wie eine Schallschutzmauer wirkt. Darauf aber hatte die Genehmigungsbehörde, das damalige StAUN in Stralsund, beim Baugeschehen vor dem Darß verzichtet. "Die Wirksamkeit dieser Maßnahme ist sehr umstritten", begründete Amtsleiter Wedewardt.

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erstellt am 08.Sep.2010 | 07:05 Uhr

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