Landwirtschaft : Schweinepest im Anmarsch – Plan fehlt

Der Schwarzwildbestand muss im Land drastisch reduziert werden. Aber wohin mit dem Fleisch?
Der Schwarzwildbestand muss im Land drastisch reduziert werden. Aber wohin mit dem Fleisch?

Viele Fragen, wenige Antworten: Landwirte und Jäger reden über Präventionen sowie Maßnahmen im Fall der Afrikanischen Schweinepest

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15. Januar 2018, 20:45 Uhr

In einem Punkt waren sich die Protagonisten der Informationsveranstaltung zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) am Montag in Linstow einig: Die Gefahr, dass die Seuche auch in Deutschland eintrifft, ist hoch. Mehr als 280 Landwirte, Tierhalter und Jäger waren der Einladung des Landesbauernverbandes zum Thema „Afrikanische Schweinepest – Prävention und Maßnahmen im Seuchenfall“ gefolgt. Alle hatten viele Fragen im Gepäck. Klare Antworten gab es wenige.

Während Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Ende der vergangenen Woche noch klare Worte fand, die Schweinehalter zur Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen ermahnte, und scharfe Kontrollen ankündigte, gab es reichlich Theorie – vor allem über den Verlauf der Krankheit. Fragen von Landwirten zu Kern- wie auch Pufferzonen und dem Ablauf im Seuchenfall wurden nicht klar beantwortet. So gibt es zwar eine Tierfund-App. Unklar bleibt aber bei einem positiven Schwarzwild-Befund, wie genau der Abtransport der Kadaver stattfindet. „Es werden Container bereitgestellt“, sagt Landwirtschaftsstaatssekretär Jürgen Buchwald.

Auf die Frage, was mit Schweinen in Freilufthaltung passiert, wann diese in den Stall müssten, gab es auch nur den Hinweis: „Wenn die Bedrohung akut wird, müssen wir uns dazu verständigen“, so der Staatssekretär. Für einige Landwirte ist schon jetzt klar: „Ich kann nur Fehler machen. Sicher wird jemand irgendwo einen finden, dann bin ich dran“, sagt Jörg Klingohr. Der als „Bauer Korl“ bekannte Entertainer und Landwirt im Nebenerwerb hält Schweine im Freien. Er überlegt, diese schnellstmöglich zum Schlachter zu bringen. Jörg Brüggemann, Leiter der LMS Agrarberatung, bescheinigt den Betrieben im Land, dass sie gut aufgestellt sind. Allerdings macht er sich Sorgen um den Markt. „Wie werden unsere Marktpartner damit umgehen und was ist dann mit den Landwirten – mit den Schweinefleischproduzenten?“ Dirk Freitag, Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium, musste passen: „Das sind Fragen, die wir nicht beantworten können.“ Die Gefahr, dass der Markt einbreche, sei groß. Auch wenn Zahlen aus dem benachbarten Polen anderes hoffen lassen. So konnten die Polen trotz Pest-Gebieten ihren gesamten Schweinefleischabsatz sogar steigern. Doch zum Seuchenausbruch soll es hier gar nicht erst kommen, da waren sich alle einig. Deshalb müsse der Fokus stärker auf den Menschen als Überträger gelegt werden. Zahlen des Bundesamtes für Güterverkehr zeigen fast sechs Millionen Ein- und Ausfuhren pro Jahr nach Polen. Eine Präventionsmaßnahme sei, die Schwarzwildbestände im Land drastisch zu reduzieren. Die Jäger müssten „endlich den Ernst der Lage erkennen“, hieß es immer wieder. Doch wohin mit dem geschossenen Wildbret? Einige Händler nehmen kein Schwarzwild mehr an, die Preise sind im Keller (wir berichteten). Die Fragen der Vermarktung wurden am Montag klar an die Jägerschaft delegiert: „Wir befinden uns in einem freien Markt. Da kann kein Verband eingreifen. Die Jäger müssen auch mal den Nachbarn fragen, ob er Wild möchte“, sagte Michael Constien, Vizepräsident des Landesjagdverbandes MV. Ein Annahmestopp der Händler könne kein Argument für reduzierten Abschuss sein.

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