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Säuglingsforschung : Schweinchen-Theater mit Joel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Entwicklungspsychologen erkunden mit Tests das Denken von Babys und Kleinkindern. In Greifswald wurde das 1000. Kind untersucht

Mit ausgeklügelten Tests erkunden Entwicklungspsychologen aus Greifswald in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt das Denken von Kleinkindern. Gestern wurde im Institut für Psychologie der Universität Greifswald das 1000. Kind untersucht. Beim Test „Schweinchen-Theater“ überprüften die Psychologen unter anderem das mathematische Verständnis des dreijährigen Joel, einem sehr pfiffigen Jungen. Mutter Ivonne Ziese war von den Forschern angeschrieben worden, ob sie Interesse an einer Teilnahme habe. „Ich wollte selber wissen, wieweit der Stand meiner Kinder ist“, sagte die 30-Jährige.

Den Forschern aus Greifswald geht es bei den Untersuchungen nicht primär um die Überprüfung der Intelligenz einzelner Kinder, sondern um die Beschreibung von Denkstrukturen von Kleinkindern. Mit ihren Forschungen stellen die Wissenschaftler auch in der Gesellschaft gängige Auffassungen infrage. „Die Vorstellung von Babys als ,Forscher in Windeln’ ist ein Klischee“, sagte der Professor für Entwicklungspsychologie der Uni Greifswald, Horst Krist, gestern. Die von der Säuglingsforschung in den vergangenen Jahren angenommene Kontinuität in der Entwicklung des Denkens gebe es nicht. „Säuglinge denken rein intuitiv und ganz anders als Kinder im Vorschulalter, deren Denken an die Sprache gekoppelt ist.“

In einer Umbruchphase, die ungefähr im Alter von drei Jahren stattfinde, schnitten Kinder bei den Untersuchungen in Greifswald bei Aufgaben zum mathematischen, physikalischen oder psychologischen Verständnis schlechter ab als Babys. Die genauen Ursachen kennen die Forscher noch nicht genau, aber offenbar steht ihnen dabei die Sprachentwicklung im Weg. „Kinder beginnen mit drei Jahren auf das Pferd Sprache zu setzen“, sagte Krist. „Sie wollen ihr Wissen in Sprache artikulieren, sind darin aber noch sehr schlecht.“ Als Vergleich nannte er die Fortbewegung von Kindern. „Ein Kind, das super krabbeln kann, stellt trotzdem auf das Laufen um, obwohl es damit zunächst einmal weniger Erfolg haben wird.“

In spielerischen Situationen erfassten die Entwicklungspsychologen das naive (alltagsbezogene) mathematische, physikalische und psychologische Denken von Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren. Im Test „Schweinchen-Theater“ wird den Kindern beispielsweise eine Bühne mit einem Schweinchen gezeigt. Danach wird der Vorhang heruntergelassen und sichtbar für das Kind von der Seite ein zweites Schweinchen hineingeschoben. Nicht sichtbar wird ein drittes Schweinchen danebengestellt und der Vorhang gehoben. Während Babys mit Verwunderung und langem Blickkontakt auf die drei Schweinchen reagieren, nähmen Dreijährige das Bild mehrheitlich ohne Widerspruch und Verwunderung hin.

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