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Prozess Kindesmissbrauch Schwerin : Schweigen vor Gericht

vom
Aus der Onlineredaktion

40-Jähriger soll Stieftochter missbraucht haben

von
erstellt am 21.Mär.2017 | 20:55 Uhr

Kurz bevor er in Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt wurde, hat ihm seine neue Freundin draußen auf dem Flur noch eine aufmunternde Geste hinterhergeschickt,. Doch auf der Anklagebank wirkt der 40-jährige Schweriner mit den tiefen Ringen unter den Augen müde und erschöpft. Dennoch hört er aufmerksam zu, als der Staatsanwalt die Anklage verliest.

Mindestens zehn Mal soll sich der Mann in der gemeinsamen Wohnung an der Tochter seiner Ehefrau vergangen haben. Beim ersten Mal war das Mädchen noch in der Grundschule. Beim letzten Mal war es dreizehn Jahre alt.

Das Gesicht des Mannes verrät, dass ihn die Vorwürfe nicht kalt lassen. Aber aus seiner Mimik lässt sich nicht ablesen, ob er Scham empfindet, oder ob er sich empört. Denn bis zum Beginn des Prozesses gestern am Landgericht Schwerin hat er die Anschuldigungen bestritten. Ob er sich während des Prozesses dazu äußern wird, blieb vorerst offen.

Einmal soll er dem Mädchen nach dem Missbrauch Geld gegeben haben. In anderen Fällen versprach er laut Anklage, ein bestimmtes Verhalten des Mädchens nicht gegenüber der Mutter zu erwähnen, wenn das Kind tue, was er wolle.

Aktenkundig wurden die Vorwürfe der Stieftochter im vergangenen Sommer. Als die Ehe ihrer Mutter mit dem Angeklagten in die Brüche zu gehen begann, vertraute das Kind sich seiner Mutter an, die Anzeige erstattete.


Angeklagter ist psychisch gesund


Nachdem eine Psychologin das Mädchen begutachtet und die Aussagen gegen den Stiefvater für glaubwürdig erklärte, wurde der Mann verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Mutter ihn allerdings längst rausgeworfen. Sie hatte offenbar auch Internet-Chats gefunden, die er mit Minderjährigen geführt haben soll.

Auch Rechtsanwältin Christine Habetha, die das Mädchen vor Gericht vertritt, hält dessen Aussage für glaubwürdig. „Es gibt keinen Grund, warum das Kind den Stiefvater mit falschen Anschuldigungen überziehen sollte.“

Nach dem Hauptschulabschluss und der Lehre hat der Angeklagte als Arbeiter angefangen. Danach verkaufte er Versicherungen, bevor er in einem Dienstleistungsunternehmen ein Stück weit Karriere machte. Darauf ist er zweifellos stolz. Denn seine Kindheit mit der alleinerziehenden Mutter und dem angeblich trinksüchtigen Stiefvater, von dem er immer wieder Prügel bezog, war keineswegs rosig.

„Er ist ein psychisch gesunder Mann“, attestierte gestern eine Gutachterin dem Angeklagten. Er sei voll schuldfähig. Auch sei er nicht pädophil veranlagt, was bedeuten würde, dass er nur von Kindern sexuell erregt wird.

Sein sexuelles Interesse an Frauen hingegen ist offensichtlich. Als seine erste Ehefrau schwanger war, zeugte er mit einem „Seitensprung“ ein weiteres Kind. Auch während der zweiten Ehe bekam eine andere Frau von ihm einen Sohn.

Der Prozess am Landgericht wird in zwei Wochen fortgesetzt.

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