zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 17:57 Uhr

Justiz : Schweigen im Drogenprozess in Wismar

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatsanwaltschaft muss auf Belastungszeugen hoffen

Drei Männer aus Wismar sollen in ihrer Heimatstadt Drogen im Wert von mindestens 130 000 Euro verkauft haben. Zusammen mit ihrem Hamburger Zulieferer müssen sie sich seit gestern vor dem Landgericht Schwerin verantworten. Drei von ihnen schweigen bislang zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Der Rechtsanwalt des vierten Angeklagten sagte am Rande des Prozesses gegenüber unserer Zeitung, sein Mandant bestreite die Vorwürfe.

Mitte vergangenen Jahres waren die vier festgenommen worden. Drei kamen nach wenigen Wochen aus der Untersuchungshaft frei. Der vierte jedoch wurde gestern in Fußfesseln aus dem Gefängnis Waldeck in den Gerichtssaal gebracht. Er ist zusätzlich wegen schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Er überfiel nach Erkenntnissen der Ermittler Anfang Juli 2014 in Wismar ein Spielcasino. Mitten in der Nacht bedrohte er mit einer Sturmmaske vor dem Gesicht und einer Schreckschusspistole in der Hand eine Angestellte und zwang sie, 210 Euro aus der Kasse herauszugeben. Außerdem ließ er sich von ihr und einem Kunden des Spielcasinos die Mobiltelefone geben, bevor er flüchtete.

Die Angeklagten sind zwischen 28 und 33 Jahre alt und in Wismar aufgewachsen. Für die Drogengeschäfte schlossen sich drei der Angeklagten – zwei davon sind durchtrainierte Brüder – Anfang 2014 zu einer Bande zusammen, behauptet die Staatsanwaltschaft. Mindestens zwölfmal fuhren zwei von ihnen in der Regel mit einem Mietwagen nach Hamburg. Dort kauften sie beim vierten, der inzwischen in Hamburg ein Unternehmen betreibt, jeweils 100 bis 200 Gramm Kokain. Während sie dem Lieferanten in Hamburg 45 Euro pro Gramm Kokain gezahlt haben sollen, verkauften sie es in ihrer Heimatstadt für 65 Euro pro Gramm an Großabnehmer. Wer nur kleine Mengen Kokain wollte, musste angeblich auch schon einmal 85 Euro zahlen. Von den Drogen-Einkaufstouren nach Hamburg kann die Staatsanwaltschaft nur drei datieren. Bei der letzten am 15. Juli wurden die Kuriere geschnappt. In ihrem Auto fanden sich 162 Gramm Kokain. Bei Hausdurchsuchungen bei den Verdächtigen fand die Polizei weitere 62 Gramm.

Eine wichtige Stütze für die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ist anscheinend ein besonderer Belastungszeuge. Er soll am Montag vernommen werden. Sollte er vor Gericht nicht zu seinen Aussagen stehen, die er bei den Ermittlungen gemacht hat, könnte es der Staatsanwaltschaft schwer fallen, das Gericht von ihren Vorwürfen zu überzeugen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen