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Gleitschirmfliegen in MV : Schwebend über’s Land

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gleitschirmfliegen ist auch in flachen Regionen möglich. In Neustadt-Glewe gibt es eine Schule

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2016 | 16:00 Uhr

Dieser Schwebezustand ist unvergleichlich: oben nur der Schirm und der Himmel, unten die Welt. Es ist ganz still. Der Blick geht zum Boden und dann wieder bis zum Horizont. Es sollte nie enden. Das erleben Gleitschirmpiloten, wenn sie sich in die Lüfte getraut haben. Viele haben solche Fluggeräte vielleicht schon in den Bergen gesehen. Aber auch auf dem Sportflugplatz in Neustadt-Glewe kann jedermann dieses Vergnügen lernen.

Peter Niemann von der Flugschule NC Wings bildet regelmäßig Flugbegeisterte aus. „Wir brauchen keine Berge – wir haben zwei Winden, deren Seile ausgezogen und quer über den Platz gelegt werden“, erklärt der 28-Jährige. „Die Schüler haben den Schirm hinter sich, rennen los. Und durch den Zug des Seils fängt der Schirm an zu steigen – bis auf etwa 400 Meter.“ Fünf bis zehn Minuten dauert ein Flug. Es sei denn, der Pilot nutzt die Thermik, also die warmen Aufwinde. „Wer richtig Übung hat, kann sogar Streckenflüge absolvieren – das kann auch mal sieben Stunden dauern. Aber es ist anstrengend, man verliert Konzentration, und der Körper wird müde. Deshalb braucht man dafür viel Erfahrung.“

In den ersten Jahren nach der Ausbildung schafft man vielleicht zwei Stunden, meint Niemann. Sein eigener Rekord liegt bei etwa 100 Kilometern Strecke – aufgestellt in diesem Jahr in Slowenien. „Ich komme gar nicht so viel zum Üben“, sagt Niemann. „Denn wenn die besten Bedingungen sind, bilde ich ja aus.“

In seinen Gruppen sitzen maximal zwölf Teilnehmer – Studenten neben Berufstätigen, Leute mit viel Geld neben Leuten mit weniger Geld. Denn die Ausbildung zur A-Lizenz kostet kein Vermögen – mit einem normalen Verdienst ist es durchaus zu schaffen, meint Niemann. Die Ausrüstung kann man kaufen oder in der Flugschule ausleihen. Ein ärztlicher Tauglichkeitsnachweis ist nicht nötig, aber die Kandidaten sollten gut zu Fuß sein. „Ob jemand geeignet ist, liegt im Ermessen des Fluglehrers“, sagt Niemann.

Lehrer und Schüler sind natürlich auf passendes Wetter angewiesen. Trocken sollte es sein, freie Sicht ist nötig, und der Wind darf höchstens mit 20 km/h wehen. Der Grundkurs umfasst 15 Flüge und einen theoretischen Teil. „Für diese A-Lizenz muss man mindestens 16 Jahre alt sein. Dann kann man überall in zugelassenen Gebieten fliegen. Nur Streckenflüge darf man noch nicht unternehmen.“ Manche seiner Schüler fangen die Ausbildung an, weil sie irgendwo fliegende Schirme gesehen haben und es auch ausprobieren wollen. Andere wollten es schon lange lernen, haben sich bisher aber nicht getraut. Für diejenigen, die das alles gar nicht unbedingt selbst können, sondern einfach nur mal mitfliegen möchten, werden Tandemflüge angeboten. Und manch einer entdeckt auf diesem Weg den Sport für sich.

Niemann selbst geht in die Luft, seit er 13 war – erst im Segelflugzeug, später mit Motorschirm, Sportflugzeug und Gleitschirm. „Ich gucke mir alles gern von oben an“, lacht der Fluglehrer. „Aber die Faszination hat auch mit Leistung zu tun. Und ich mag es, die G-Kräfte zu spüren, also die Fliehkraft.“

Besonders reizvoll sind Gleitschirmflüge, die in den Bergen oder an Steilküsten starten. Auch solche Reisen unternehmen Niemanns mit ihren Schülern, z. B. nach Slowenien, Frankreich, Dänemark oder Monaco. Zum Familienbetrieb gehören neben Peter Niemann noch seine Eltern und seine Schwester.

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