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Frühwarnsystem für Fahrkartenkontrollen : Schwarzfahrer warnen sich per Smartphone

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Schwarzfahrer müssen in MV auf der Hut sein. Allein in Schwerin wurden im vergangenen Jahr 6600 Schwarzfahrer erwischt. Die RSAG stellte sogar 8000 Betrüger. Doch Fahrscheinverweigerer holen zum Gegenschlag aus.

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2013 | 10:05 Uhr

Schwerin | Schwarzfahrer müssen in Mecklenburg-Vorpommerns auf der Hut sein. Allein die Schweriner Verkehrsbetriebe haben nach eigenen Angaben 14 Kontrolleure im Einsatz, die im vergangenen Jahr 6600 Schwarzfahrer erwischten. Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) stellte sogar 8000 Fahrscheinbetrüger. "Wir haben täglich 12 Kontrolleure im Einsatz, die auf wechselnden Routen unterwegs sind. Das Liniennetz wird flächendeckend kontrolliert", sagte gestern RSAG-Sprecherin Beate Langner auf Nachfrage unserer Redaktion.

Doch Fahrscheinverweigerer holen zum Gegenschlag aus. "Schwarzfahren 2.0" heißt eine neue Strategie, mit der soziale Internetplattformen und spezielle Apps auf dem Smartphone als Frühwarnsystem gegen Kontrolleure genutzt werden. Die Mitteilungen sind kurz. "Kontrolle Brechtstraße in der 4 Richtung Mecklenburger Allee", heißt beispielsweise ein Eintrag in der Facebook-Gruppe "Schwarzfahren Rostock".

In einigen Städten sind die Warnsysteme Massenbewegungen geworden. In Hamburg sorgt die Facebook-Seite "Schwarzfahren Hamburg" für Schlagzeilen, weil sie aktuell bereits 23 900 Unterstützer hat. "Schwarzfahren Berlin" bringt es immerhin auf 17 000 Anhänger. Dagegen dürften die 223 Fans für "Schwarzfahren Rostock" viel zu wenige sein, um den Kontrolleuren tatsächlich zu entgehen. "Schwarzfahren Schwerin" wurde ebenfalls auf Facebook gegründet, hat allerdings nur 15 Unterstützer. "Unnötige Seite", heiß es dort treffend in einem Kommentar.

Allerdings drängen auch mehrere Apps wie "SchaffnerRadar" auf den Markt, die auf Karten einen kompfortableren Überblick über die aktuellen Standorte der Kontrolleure geben wollen. Die App funktioniert ebenfalls nur über Meldungen der Nutzer. Für Strafrechtsexperten wie den Rechtsanwalt Helfried Roubicek sind diese Warnungen rechtlich problematisch. Denn Schwarzfahren ist ein Betrugsdelikt. "Die Meldungen bewegen sich nach meiner Ansicht aber wie Blitzerwarnungen von Radiosendern knapp im Bereich der Zulässigkeit", meinte der Anwalt.

Immerhin entsteht den Schweriner Verkehrsbetrieben durch Schwarzfahrer jährlich ein Schaden von 200 000 Euro. Die RSAG schätzt ihre jährlichen Verluste auf 400 000 Euro.

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