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Erdölsuche in MV und Brandenburg : "Schwarzes Gold" gesucht

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Die deutsch-kanadische Erdölfirma CEP treibt ihre Pläne zur Erdölerkundung im Nordosten weiter voran. Dem Bergamt in Stralsund liegen inzwischen drei Anträge für weitere seismische Untersuchungen in Vorpommern vor.

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erstellt am 06.Aug.2012 | 07:15 Uhr

Lütow | Die deutsch-kanadische Erdölfirma CEP treibt ihre Pläne zur Erdölerkundung im Nordosten weiter voran. Dem Bergamt in Stralsund liegen inzwischen drei Anträge für weitere seismische Untersuchungen in Vorpommern vor, wie eine Sprecherin des Energieministeriums sagte. Mit Vibrationsfahrzeugen und kleinen Sprengungen will CEP noch in diesem Jahr die geologischen Strukturen um Barth, Ahrendsee und Mesekenhagen für eine mögliche spätere Förderung erkunden.

Nach anderthalb Jahren stehen die ersten Probebohrungen in Mecklenburg-Vorpommern vor dem Abschluss. Auch bei der letzten von bislang drei Probebohrungen sind die Geologen in Lütow auf der Insel Usedom auf Erdölanzeichen gestoßen. In dieser Woche werden Messsonden hinabgelassen, bevor der Bohrturm in das brandenburgische Lübben umgesetzt wird.

"Die Bohrergebnisse aller drei Standorte werden in den kommenden Monaten ausgewertet", sagte CEP-Manager Schröter. Der deutsche Ableger der kanadischen Firma Central European Petroleum hatte seit März 2011 in rund 2700 Meter Tiefe bei Saal (Vorpommern-Rügen) und in Pudagla und Lütow (Insel Usedom) testweise nach dem "schwarzen Gold" gebohrt. "Öl zu finden, ist keine Kunst", sagte Schroeter.

Analysen des Bohrmaterials und Berechnungen sollen in den nächsten Monaten zeigen, ob das in feinen Rissen und Poren eines 250 Millionen Jahre alten Gesteins lagernde Erdöl gefördert werden kann. Im nächsten Jahr will CEP entscheiden, ob das Unternehmen einen Antrag auf Förderung stellt, wie Schröter sagte.

Das Bergamt bearbeitet derzeit einen Antrag auf Betriebsgenehmigung für seismische Untersuchungen in der Region um Barth - zwei weitere Anträge für das Gebiet um Ahrendsee und Mesekenhagen hat CEP erst kürzlich eingereicht. Die Firma will noch in diesem Jahr die geologischen Strukturen erkunden. Das ärgert vor allem die Umweltverbände, die bereits angekündigt haben, eine Förderung in Naturschutzgebieten strikt verhindern zu wollen.

In der Region um Barth werden jeweils zwei Vogelschutzgebiete sowie drei Landschaftsschutzgebiete und fünf Trinkwasserzonen von den Messungen berührt. Die Naturschutzbehörde des Landkreises Vorpommern-Rügen hat inzwischen ihre Zustimmung erteilt. Die bergrechtliche Gesamtgenehmigung für dieses Vorhaben steht noch aus.

Der Umweltverband WWF forderte einen Ausschluss sämtlicher Naturschutzgebiete von den Erkundungen. Das Unternehmen CEP, das sich in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg inzwischen Aufsuchgenehmigungen für eine Fläche von 13 500 Quadratkilometern gesichert hat, weist die Kritik zurück. Bereits bei der Planung der Messstrecken seien die naturschutzrechtlichen Aspekte betrachtet worden, erklärte Schröter. Als Träger öffentlicher Belange werden in das Verfahren alle betroffene Kommunen und Ämter einbezogen - allerdings nicht die Umweltverbände. Eine Beteiligung der Verbände sieht das Bergrecht nicht vor.


Hintergrund: 50 Jahre Erdöl an der Ostseeküste
Am 21. März 1961 stießen Geologen des VEB Kombinat Erdöl-Erdgas Gommern bei Reinkenhagen (Vorpommern-Rügen) erstmals auf Erdöl. Doch der Wunsch, die DDR weitgehend unabhängig von Ölimporten zu machen, erfüllte sich nicht. Das in 2500 bis 3500 Metern Tiefe lagernde Öl sprudelte mit der damals eingesetzten Technik nur mäßig. Im früheren Erdölverarbeitungswerk Schwedt wurden jährlich 13 bis 15 Millionen Tonnen Erdöl verarbeitet - rund 200 000 Tonnen kamen dabei durchschnittlich aus heimischen Quellen. Seit 1961 wurden auf dem heutigen Territorium von Mecklenburg-Vorpommern rund zwei Millionen Tonnen Erdöl und drei Milliarden Kubikmeter Begleitgas gefördert. GDF Suez als Rechtsnachfolger des DDR-Erdölbetriebes fördert heute bei Mesekenhagen und Lütow aus damals angelegten Bohrlöchern rund 4000 Tonnen Öl pro Jahr.

Hintergrund: Suche in politisch stabilen Regionen
Erdöl ist ein immer knapper und teurer werdender Rohstoff. Das Unternehmen Central European Petroleum (CEP) mit Firmensitzen in Calgary und Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, mit neuester Technologie Öl- und Erdgasvorkommen in politisch stabilen, bisher „unterexplorierten“ Regionen zu erkunden. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hat sich das Unternehmen inzwischen Aufsuchgenehmigungen auf einer Fläche von 13 500 Quadratkilometern gesichert. Das 2006 gegründete Unternehmen beschäftigt 35 Fachleute aus der Erdöl- und Erdgasbranche. Bisher wurden 70 Millionen Euro investiert - davon 55 Millionen Euro in Deutschland.

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