Ölförderung in MV : „Schwarzes Gold“ als Zankapfel

Ein kleines Fass mit dem ersten Erdöl aus einer Probebohrung steht  in der Bohranlage der deutsch-kanadischen CEP Central European Petroleum GmbH in Pudagla.
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Ein kleines Fass mit dem ersten Erdöl aus einer Probebohrung steht in der Bohranlage der deutsch-kanadischen CEP Central European Petroleum GmbH in Pudagla.

Geplante Erdölförderung führt zu Kontroversen bei Anhörung: Unternehmerverbände euphorisch, Bedenken bei Greenpeace und Bürgerinitiative

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28. Februar 2014, 11:47 Uhr

Bohrtürme, Pipelines, Ölgeruch – ein Hauch von Texas oder Saudi-Arabien kann nicht das positive Bild der geplanten Ölförderung in Vorpommern trüben, das sich die MV-Unternehmensverbände machen. Fast überschwänglich beschwor ein Verbandssprecher gestern bei einer Anhörung im Landtag die „großen Potenziale“. Die kritische Sicht von Greenpeace und einer Bürgerinitiative fand wenig Unterstützung.

Die kanadisch-deutsche Firma CEP will zwischen Darß und Usedom nach Öl bohren. 40 Millionen Tonnen vermutet CEP-Geschäftsführer Thomas Schröter in rund 2700 Meter Tiefe. Vier Probebohrungen hat CEP bei Barth und auf Usedom niedergebracht und dafür angeblich 85 Millionen Euro eigenen Geldes investiert. Es handelt sich laut Schröter um ein für deutsche Verhältnisse recht großes Ölvorkommen, aus dem fünf Millionen Tonnen gewinnbringend gefördert werden könnten. Lothar Wilken, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände, sieht zwar keine Chance für eine Ölraffinerie oder petrochemische Großindustrie. Aber kleinere Firmen könnten Erdöl zu Schmierstoffen, Kunststoffen, speziellen Harzen, Düngemitteln oder Arzneien verarbeiten. Da das Öl per Bahn abtransportiert werden soll, würden deren Strecken auch für den Personenverkehr erhalten. Dem Rostocker Hafen winke ein beträchtliches Umschlagsplus. Der Landeskasse winke zudem ein Betrag von 340 Millionen Euro aus der Förderabgabe. Allerdings hat CEP diesen Betrag für 25 Jahre kalkuliert. Pro Jahr blieben im Schnitt 13,5 Millionen Euro fürs Land.

Temperamentvoll führte Christa Labouvie von der Bürgerinitiative „Lebensraum Vorpommern“ ihre Bedenken ins Feld. Die Bohrmethode von CEP sei wenig erprobt und dem umstrittenen „Fracking“ zur Ölförderung aus Schieferschichten ähnlich. Chemikalien könnten das Trinkwasser verseuchen. Die ölhaltigen Schichten könnten so löchrig werden, dass sich Risse bis zur Erdoberfläche bilden und Häuser gefährden. Bohrtürme und Pipelines würden die Landschaft verschandeln und dem Tourismus schaden.


Regierung will Förderung keine Steine in den Weg legen


Die „technischen“ Argumente Labouvies wies CEP-Geschäftsführer Schröter zurück. Das CEP-Fracking sei eine ganz andere als die umstrittene Fördermethode. Wilken beteuerte, weder Tourismus- noch Gaststättenverband hätten Widerstand gegen die Ölförderung angemeldet. Ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen bemühte sich, die Zahl der Öl-Gegner als gering darzustellen. Schließlich seien die Einheimischen vor allem in der Region um Grimmen Ölförderung aus DDR-Zeiten gewohnt und daher „sehr unaufgeregt“.

Nach der Anhörung fühlten sich SPD und CDU in ihrer Absicht bestätigt, der Ölförderung keine Steine in den Weg zu legen. Jochen Schulte (SPD) wollte auch keinen Widerspruch zur geplanten Energiewende erkennen, weil das „leichte Erdöl“ nicht verstromt werde. Außerdem würden die Förderstationen „fast unsichtbar“ sein und keineswegs die Landschaft verschandeln. Wolfgang Waldmüller sah in der Erdölförderung sogar einen „Glücksfall für unser Land“. Die Linkspartei will die weitere Erforschung der Ölvorkommen „kritisch begleiten“. Die sprudelnden Steuereinnahmen gehören für Helmut Holter jedoch noch „ins Reich von ‚Wünsch Dir was‘“. Die Grünen hingegen warfen SPD und CDU zu, die Ölförderung vollkommen kritiklos zu unterstützen.


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