Aktion „Kunst offen" : Schwarze Linien als Markenzeichen

Bei 'Kunst offen' dabei: Christiane Gregorowius in der Werkstatt. Foto: Kruppa
Bei "Kunst offen" dabei: Christiane Gregorowius in der Werkstatt. Foto: Kruppa

Jeder Krug, jede Schüssel ist einmalig. Die Keramiken, die die Töpferei von Christiane Gregorowius verlassen, sind Unikate. Seit 30 Jahren steht die Töpfermeisterin an der Drehscheibe und kümmert sich um den Verkauf.

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25. Mai 2012, 08:51 Uhr

Schwerin | Jeder Krug, jede Schüssel ist einmalig. Die Keramiken, die die Töpferei von Christiane Gregorowius verlassen, sind schöne Unikate. Seit 30 Jahren steht die Töpfermeisterin an der Drehscheibe, heizt die Brennöfen und kümmert sich um den Verkauf. Im Herbst soll das Jubiläum in Dambeck bei Wismar mit einem Hoffest gefeiert werden.

Doch zuvor steht zu Pfingsten die traditionelle Teilnahme an der landesweiten Aktion "Kunst offen" an. Von Sonnabend bis Montag von 10 bis 18 Uhr können interessierte Besucher in die Werkstatt schauen, erleben, wie Ton geformt und gebrannt wird. Kinder können geformte Rohware selbst bemalen. Landesweit öffnen hunderte Künstler an diesem Wochenende zum 17. Mal ihre Ateliers für Besucher .

Christiane Gregorowius, 1960 in Zerbst geboren, hatte schon als Kind Spaß am Formen der geschmeidigen Erde. Sie absolvierte eine Töpferlehre in Coswig. Und hatte das Glück, schon 1982, mit 22 Jahren, eine eigene Werkstatt einrichten zu können. "Mein Vater arbeitete eine Zeitlang in Algerien, und ich sollte das Haus der Eltern in Hundorf hüten. Er half bei der Einrichtung der Werkstatt und besorgte mir auch einen Brennofen."

Mangel war das leidige Thema zu DDR-Zeiten wohl für alle selbstständigen Töpfer. Schwierig war die Materialbeschaffung, auch die Brennöfen konnte man nur nach langer Bestellzeit bekommen. Doch die junge Frau kämpfte sich durch, denn Absatzprobleme gab es damals nicht. "Keramikgefäße waren sehr gefragt. Ich hatte sogar eine Auflage, regelmäßig das Kunstgewerbegeschäft in Crivitz zu beliefern." Schon 1983 machte sie die Meisterprüfung, 1987 zog sie um nach Dambeck.

Dann kam die Wende. Und der Markt wurde überschwemmt mit Tonprodukten. Überall, in Möbelkaufhäusern, Supermärkten und Einrichtungsboutiquen konnte man Keramik-Gefäße kaufen. Die Dambecker Meisterin erinnert sich, angesichts der neuen Fülle mutlos gewesen zu sein. "Was sollte ich jetzt noch drehen? Ich war zunächst deprimiert, aber dann gab mir ein Insider den richtigen Tipp: Im Winter produzieren, im Sommer verkaufen."

Und so hält es die Meisterin, die im Laufe der Jahre 19 Lehrlinge ausgebildet hat, heute noch. Mit ihrer Gesellin produziert sie in der kalten Jahreszeit auf Vorrat, und dann geht es ab dem Frühjahr auf die Märkte - bundesweit. Das ist anstrengend, aber nur vom Verkauf aus dem Schweriner Laden und in der Töpferei in Dambeck könnte sie nicht leben.

In der Werkstatt entstehen heute zwei Linien: die grüne Reihe und die Craqueleé-Gefäße. "Bei den grünen Töpfen wird die Glasur roh aufgetragen. Sie werden nur einmal gebrannt, dafür bei höherer Temperatur, bei 1200 Grad Celsius." Einmal brennen spart natürlich auch Stromkosten. Bei den Craqueleés werden die Rohformen zunächst niedrig gebrannt, dann glasiert, nach dem zweiten Brand werden sie in die schwarze Glasur getaucht und es entstehen die raffinierten Linien, die nach dem dritten Brand haltbar gemacht sind. Alle Gefäße sind mikrowellen- und spülmaschinentauglich.

Inzwischen arbeitet die Meisterin bei den Service-Teilen auch maßgenau. "Damit die Leute nachkaufen können und die Teller und Tassen zueinander passen. Wenn also mal ein Teil kaputt geht, ist das kein Problem", sagt Christiane Gregorowius. Sie liebt ihre Arbeit, die ihr kreative Freiheit gibt. Und doch denkt sie manchmal schon wegen der schweren körperlichen Arbeit an den Ruhestand. Die Gesellin würde dann gern die Werkstatt übernehmen.

Doch das sind nur flüchtige Gedanken. Erst einmal gilt es, zu Pfingsten die Gäste zu empfangen und wieder zu warten auf das erstaunte, freudige "Oh", wenn die Brennöfen geöffnet werden.

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