Neuer Plenarsaal : Schwamm, Wasser, Insolvenz

Blick von der Zuschauertribühne über den künftigen Abgeordnetensitzen auf das neue Parkett im Plenarsaal
Blick von der Zuschauertribühne über den künftigen Abgeordnetensitzen auf das neue Parkett im Plenarsaal

Bauarbeiter nehmen auf der Zielgeraden beim neuen Plenarsaal im Landtag noch einige Hürden. Einweihung im September geplant

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02. Juni 2017, 21:00 Uhr

Schwamm im Gebälk, undichte Kühllamellen, Überschwemmung nach einem durchgesägten Heizungsrohr: Auf der Zielgeraden bei der Fertigstellung des neuen Plenarsaales im Landtag im Schweriner Schloss müssen die Bauarbeiter in diesen Tagen noch einige Hürden nehmen. Die technische Inbetriebnahme soll bereits Ende Juli erfolgen. Zur ersten Landtagssitzung Ende September soll das Parlament dann schon im neuen Domizil tagen – nach nur vier Jahren Bauzeit bei laufendem Museums- und Parlamentsbetrieb.

„Wir haben keine Zweifel, dass wir den Plenarsaal zur ersten Sitzung eröffnen können“, gibt sich Bauherr und Landtagsdirektor Armin Tebben gestern zuversichtlich. Aber erst am Donnerstagnachmittag gab es eine mehrstündige Bauberatung zu den Problemen der letzten Tage. So wurde im 4. Obergeschoss, wo es zur Besuchertribüne geht, Hausschwamm an einem Balken entdeckt. Der Balkenkopf musste ausgewechselt, eine Revisionsklappe eingebaut werden. In der Decke des neuen Plenarsaals in 15 Meter Höhe tropfen einige Kühllamellen, so dass dort noch einmal mit einem Gerüst gearbeitet werden muss. Und ein Handwerker zersägte ein Heizungsrohr, so dass die neuen Besuchertoiletten komplett geflutet wurden.

Doch Tebben bleibt die Ruhe selbst: „Diese Sachen sind lösbar. Unser größtes Problem ist bei der guten Baukonjunktur, immer rechtzeitig das nächste Gewerk hier zu haben.“ 60 Handwerker sind derzeit täglich auf der Baustelle. Die Parkettfirma hat zwei Wochen nachts durchgearbeitet. Tebben bleibt dabei: „Ende Juli ist die technische Inbetriebnahme, das heißt Lautsprecher, Mikrofontechnik, Heizung, Lamellen – alles muss funktionieren.“ Muss es auch. Denn nach der letzten Landtagssitzung am 14. Juli soll der alte Plenarsaal unmittelbar neben dem neuen herausgerissen werden. Dort entstehen Tagungsräume, Pressezentrum und der Zugang für die Abgeordneten. Dann gibt es kein Zurück mehr. Die Einweihung des neuen Saals soll dann am 25. bzw. 26. September erfolgen. Am 27. September ist die erste Sitzung nach der Sommerpause geplant.

Der Landtag hatte sich 2011 nach langem Zögern für den Umbau des alten Festsaals zum neuen Sitzungssaal entschlossen. 2013 hatte man mit dem Bau begonnen. Damals gingen die Planer noch von Gesamtkosten in Höhe von 21,6 Millionen Euro plus einem pauschalen Risikozuschlag von 4,3 Millionen Euro aus. Inzwischen sind es 30 Millionen Euro geworden, die Einsparungen an anderer Stelle nach sich zogen. Nach ursprünglicher Planung sollte der Bau bereits im Januar 2017 fertig sein. Als Hauptgrund für die Kostensteigerung und Zeitverzögerung nennt Tebben die Insolvenz eines Lüftungs- und Klimaanlagenplaners, die gleichzeitig mit fehlerhaften Konstruktionen verbunden war.

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